Haarausfall

Nebenwirkungen nach Absetzen von Finasterid sind nicht bewiesen

von Reza Azar |

Frage: Ich habe gehört, dass Nebenwirkungen von Finasterid sogar nach dem Absetzen der Medikation weiterhin bestehen bleiben können. Was ist der aktuelle Informationstand zu diesem Thema?

Antwort: Durch unsere Patientenberatung wissen wir, dass etwa jeder fünfte von Haarausfall Betroffene, das Medikament Finasterid gegen den androgenetischen Haarausfall einnimmt bzw. in der Vergangenheit eingenommen hat.

Einige wenige dieser Patienten klagten über so starke Nebenwirkungen, dass sie das Präparat aus diesem Grund abgesetzten. Bis heute ist mir jedoch kein einziger Patienten-Fall bekannt, in dem auch nach dem Absetzen von Finasterid, über ein Fortbestehen der Nebenwirkungen, also einem sogenannten Post Finasterid Syndrom geklagt wurde. Natürlich benötigt der menschliche Körper nach dem Absetzen eines jeden Medikamentes, eine gewisse Zeitspanne, um dieses abzubauen und sich wieder zu regenerieren. Allerdings erfolgt dies in der Regel innerhalb weniger Tage, so dass ein Post Finasterid Syndrom relativ unwahrscheinlich ist.

Meine Beobachtung wird durch die wissenschaftliche Studie von Sato et al. aus dem Jahr 2012 gestützt und im „The journal of dermatology“ publiziert.

Im Rahmen seiner Studie untersuchte und beobachtete Sato 3177 Patienten, die tägliche 1 mg Finasterid einnahmen. Von den Nebenwirkungen des Mittels waren lediglich 21 Patienten betroffen. Mit dem Absetzen der Medikation verschwanden die Nebenwirkungen komplett. Sato konnte in seiner Studie keinen einzigen Fall eines Post Finasterid Syndroms feststellen.

Folglich konnte das Post Finasterid Syndrom weder in seiner Studie, noch in meiner langjährigen Praxisarbeit beobachtet werden. Die sehr geringe Anzahl der Patienten mit Nebenwirkung aus der Studie von Sato stimmt jedoch nicht ganz mit meinen Erfahrungswerten überein. Das Auftreten von Nebenwirkungen unter Einnahme von Finasterid kommt nach meinen Beobachtungen und klinischen Erfahrungen deutlich häufiger vor.

Eine weitere Studie wurde im Jahr 2012 von Dr. Michael Irwig an der George Washington University durchgeführt. Dr. Michael Irwig beobachtete 54 Patienten unter Finasterid- Einnahme. Er beschrieb, dass mehr als 90% der Teilnehmer unter persistierenden Nebenwirkungen, also einem sogenannten Post Finasterid Syndrom litten.

Diese Studie inklusive der Ergebnisse stelle ich stark in Frage, da sie meinen Erfahrungen nicht entspricht.

Der Begriff Post Finasterid Syndrom ist aus meiner Sicht nicht passend. Jedoch ist es nicht auszuschließen, dass eine persistierende erektile Dysfunktion in Form einer sexuellen Grunderkrankung, welche auch ohne Einnahme von Finasterid hätte auftreten können, fälschlicherweise mit der Finasterideinnahme des Betroffenen in Verbindung gebracht wird. Die Inzidenz von erektiler Dysfunktion bei jungen Menschen liegt bei 7% und nimmt mit zunehmendem Alter bis auf 25-30% zu.

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