Haartransplantation

Die besondere Bedeutung der Ästhetik in der modernen Haarchirurgie

von Reza Azar |

Angelehnt an den wissenschaftlichen Stand - und die diesbezüglichen (auch technischen) Möglichkeiten in der modernen Haarchirurgie - kommt der Ästhetik eine wesentliche Bedeutung zu. Die Entwicklung der Verfahren zur Durchführung einer Eigenhaarverpflanzung hat ein Niveau erreicht, welches eine patientenindividuelle, detailliert-spezifische Behandlung erlaubt. Dies stellt hohe Anforderungen an die Fähigkeiten eines Haarchirurgen. Das Ziel einer jeden Haartransplantation sollte nicht nur, der kurzfristig zufriedene Patient sein. Darüber hinaus sollte das langfristig bestmögliche und ganzheitlich hohe Qualitätsniveau das Ziel darstellen. Daher gehören ebenso ein hoher Anspruch an die Ästhetik sowie eine zukunftsorientierte Planung und Sorgfalt mit dazu, welche die Möglichkeit für weitere Eingriffe zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.

Der ganzheitliche Aspekt der Ästhetik in der Haarchirurgie

Der Begriff Ästhetik findet in vielen Themen- und Produktbereichen des täglichen Lebens Anwendung, wie z.B. in der Schönheits- und Kosmetikbranche sowie in der Mode- und Designbranche. Hierbei werden mit diesem Begriff positive Eigenschaften, wie „schön“, „geschmackvoll“, „optisch ansprechend“ und ähnliches verknüpft. Bezogen auf die Haartransplantation sollte die Ästhetik sowohl das Entnahmeareal, als auch das Empfangsareal einschließen.

  • Die Ästhetik des Entnahmegebietes/ Spenderareals bezieht sich auf die postoperative Haardichte und Narbenfreiheit
  • Die Ästhetik des Transplantationsareals/ Empfängerareal bezieht sich auf die Anwuchsrate (die Haardichte), die Wuchsrichtung und Haarbeschaffenheit der transplantierten Haare. Darüber hinaus nimmt im Besonderen auch die Haarliniengestaltung wesentlichen Einfluss auf das ästhetische Gesamtbild.

Ein ansprechendes und ästhetisches Gesamtergebnis setzt ein harmonisches Zusammenspiel mehrerer Faktoren voraus. Die Wahl der angewendeten Haartransplantationsmethode spielt dabei eine absolut entscheidende Rolle.

Die minimalinvasive Einzelhaarverpflanzung/ FUE (Follicular Unit Extraction) ist derzeit das modernste Verfahren der Haartransplantation. Traumata und entsprechende Folgen (z.B. Ausdünnungen, irreversible Narben etc.) lassen sich bei Anwendung dieser Technik vermeiden, was die „FUE-Haartransplantation“ zum Verfahren mit den bestmöglichen Voraussetzungen für eine gelungene Haartransplantation macht.

Um der grundlegenden Bedeutung der ganzheitlichen Ästhetik in der Haartransplantation nachhaltig und besser Rechnung tragen zu können, ist eine gezielte Aufklärung bezüglich der patientenindividuellen Möglichkeiten und Risiken und auch der Vergleich der verschiedenen Haartransplantationsmethoden sinnvoll, was letztlich zu einer Verbesserung der Qualitätsstandards beitragen soll.

Vorstellungen, Ziele - und die Realität

Nahezu jeder Patient kommt mit persönlichen und auch oftmals klaren Vorstellungen zu einer Patientenberatung. Dies ist nicht ungewöhnlich, der Patient hat sich belesen, viele Bilder im Internet angesehen und zwangsläufig eine bestimmte Erwartungshaltung an das eigene Behandlungsergebnis entwickelt. Der Umgang mit den teils mehr oder weniger realistischen Erwartungen der Patienten ist von Klinik zu Klinik bzw. von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Während verantwortungsbewusste, seriöse Haarchirurgen unter bestimmten Umständen durchaus auch Behandlungen ablehnen, zählt im sogenannten „Discounter-Segment“ in der Regel vorrangig der Umsatz. Folglich leiden die Qualität der Beratung und der Behandlung was sich letztlich in der Qualität der Behandlungsergebnisse widerspiegelt. Neben schlimmstenfalls fatalen offensichtlichen Folgen, kann es zudem auch zu psychischen Problemen des unzufriedenen und leidenden Patienten kommen.

Persönliche Vorstellungen der Patienten können lediglich als vorab definierte Wünsche gesehen werden. Diese in einen realistischen Kontext zu den patientenindividuellen Möglichkeiten zu setzen und die tatsächlich beste/effizienteste Lösung in Form einer ganzheitlichen Haartransplantations-Planung zu definieren und umzusetzen, sollte jedoch erfahrenen Experten vorbehalten bleiben.

Internetforen und die Beeinflussung durch Beispielbilder

Internetforen können aus Patientensicht zweifellos hilfreich sein, um wichtige Informationen zu erhalten und um eine erste Orientierung zu bekommen. Ein gewisses Maß an Interesse und Eigeninitiative der Board-User ist durchaus als positiv zu bewerten. Jedoch sollte Abstand davon genommen werden, die Bilder anderer und bereits behandelter Patienten als festen Maßstab für die eigene Haarverpflanzung heranzuziehen. Den Haarausfall-Betroffenen manifestieren sich aufgrund derartiger Bilder schnell gewisse Vorgaben, welche vielfach die Grundlage für eigene Wünsche und Ansprüche bilden. Dabei geht oftmals die nötige Objektivität und der Respekt vor den Risiken und eventuell gravierenden Folgen verloren. Jeder Patient ist einzigartig und genauso individuell zu behandeln. Bilder von anderen Patienten können lediglich beispielhaft herangezogen werden, jedoch keine feste Behandlungsgrundlage bieten.

Besorgniserregende Entwicklung am Markt

Gegenwärtig kann eine zunehmend große Präsenz von Angeboten für Haartransplantationen, besonders im Internet beobachtet werden. Besonders preisgünstige Angebote locken oft aus dem Ausland, vorzugsweise aus der Türkei. Bei der androgenetischen Alopezie handelt es sich um erblich bedingten Haarausfall, welcher sich zunehmend bereits bei sehr jungen Männern bemerkbar macht. Dementsprechend findet man auf einschlägigen Internetportalen bereits Erfahrungsberichte von Minderjährigen, die sehnsüchtig ihre Volljährigkeit erwarten, um damit das Alter zu erreichen, in dem eine Haartransplantation überhaupt durchgeführt werden darf. Aus dem Umstand des Leidens einerseits und den limitierten finanziellen Möglichkeiten andererseits, ergibt sich oft der Wunsch nach möglichst preisgünstigen bzw. billigen Haartransplantationen. Diesem Umstand - und auch der Lebenssituation derart junger Menschen (Schüler, Auszubildende, Studenten) - ist es wohl geschuldet, dass der Preis einer Haartransplantation, der ausschlaggebende Faktor ist. Der Qualitätsanspruch dieses chirurgischen Eingriffs wird im Zuge dessen jedoch leider oft vernachlässigt.

Durch ausgeprägten Leidensdruck tritt schnell in den Hintergrund, dass sich ein misslungenes Ergebnis ein Leben lang beeinträchtigend auf den Patienten auswirken kann. Auch sollte die ärztliche Planung einer Haartransplantation zukunftsorientiert sein, denn nur auf diese Weise können die Möglichkeiten für weitere Eingriffe zu einem späteren Zeitpunkt die nötige Berücksichtigung finden. Der größte Teil der Sorgfaltspflicht kommt dem jeweiligen Anbieter/ Haarchirurgen zu, aber auch der Patient selber kann durch umsichtiges Verhalten erheblich zu guten Voraussetzungen beitragen. Die Wahl eines, auf minimalinvasive Haartransplantation spezialisierten Experten vermindert die Risiken bereits deutlich.

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