Haarausfall

Einnahme von Finasterid gegen Haarausfall birgt Nebenwirkungen

von Reza Azar |

Bei Androgenetischem Haarausfall, also erblich bedingtem Haarverlust, kommt es durch Androgene zu einer Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen das Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT).
Diese Art bzw. Ursache des Haarausfalls ist genetisch, also erblich bedingt. In vielen Fällen bietet die Haartransplantation Betroffenen eine schonende und nachhaltige Alternative.

Besteht in der Kopfhaut viel DHT und ist zudem eine vererbte Überempfindlichkeit dagegen vorhanden, so wird die Wachstumsphase (Anagenphase) des Haares verkürzt und es fällt aus.

Finasterid ist ein Wirkstoff, der das Enzym 5α-Reduktase (Typ II) zeitweilig inaktiviert, wodurch die Spaltung des männlichen Hormons Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT) verhindert wird. Das DHT ist an der Pathogenese der benignen Prostatahyperplasie (BPH)/Prostatavergrößerung und Androgenetischer Alopezie, also Androgenetischem Haarausfall beteiligt.

Bei genetischem Haarausfall sind die Haarwurzeln empfindlich gegen DHT, welches sich an die Haarfollikel „andockt“ und diese, bei Betroffenen des genetischen Haarausfalls beschädigt. Durch die Blockierung des Enzyms durch Finasterid wird die Bildung von DHT reduziert und der Haarverlust vermindert.

In einer Dosis von 5 mg täglich wird Finasterid zur Behandlung von benigner Prostatahyperplasie (BPH) und in einer Dosis von 1 mg täglich zur Behandlung von androgenetischer Alopezie verabreicht.

Da Finasterid ein wichtiges Medikament in der Behandlung von androgenetischer Alopezie und BPH/Prostatavergrößerung ist, aber auch Nebenwirkungen mit sich bringen kann, sollten Patienten vor der Behandlung vom behandelnden Arzt ausführlich über mögliche Nebenwirkungen informiert werden.

Bei etwa 8-18% der Patienten treten unter Einnahme von Finasterid Nebenerscheinungen, wie verminderte Libido, Depressionen und Gynäkomastie (Brustvergrößerung) auf. In diesen Fällen sollte das Medikament in Absprache mit dem behandelnden Arzt reduziert abgesetzt werden. Bei der Haartransplantation, die mittels I-FUE-Methode (Weiterentwicklung der FUE-Haartransplantation) schonend und narbenfrei durchgeführt werden kann, kann auf die Einnahme von Medikamenten vollständig verzichtet werden.

Studien zu Finasterid und Brustkrebs bei Männern

In den vergangenen Jahren wurde ein Anstieg von Brustkrebs bei Männern in Verbindung mit Finasterid-einnahme registriert. Nach einer Mitteilung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA, lagen im Dezember 2009 weltweit 53 Meldungen über Brustkrebs in Verbindung mit Finasterid-Behandlungen vor. 50 Berichte standen in Zusammenhang mit einer 5-mg-Dosis zur Therapie der benignen Prostatahyperplasie, 3 Berichte standen in Verbindung mit einer Therapie unter 1-mg-Dosis bei Alopezie/Haarausfall.

Der Brustkrebs bei Männern ist eine relativ seltene Krankheit. Während in Deutschland jährlich etwa 60.000 Frauen an Brustkrebs erkranken, kommt es im gleichen Zeitraum zu etwa 500 Brustkrebserkrankungen bei Männern in Deutschland. Das Verhältnis von Brustkrebserkrankungen bei Männern zu Frauen ist also sehr ungleich. Ebenfalls ungleich ist das Lebensalter der Geschlechter im Vergleich. Während Frauen im Durchschnitt im Lebensalter von etwa 65 Jahren an Brustkrebs erkranken, erkranken Männer in einem durchschnittlichen Lebensalter von etwa 70 Jahren an Brustkrebs.

In einer anderen Studie wurden 3040 männliche Patienten über einen Zeitraum von 4 Jahren regelmäßig untersucht. Die Patienten wurden in zwei gleichgroße Gruppen eingeteilt und erhielten entweder 5 mg Finasterid oder ein Placebo-präparat. Im Rahmen dieser Studie gab es keine Fälle von Brustkrebs bei Männern in der Finasterid-Gruppe. In der Placebo-Gruppe traten dagegen 2 Fälle von Brustkrebs bei Männern auf. In einer weiteren klinischen Studie wurden 3047 Patienten über einen Zeitraum von fast 5 Jahren untersucht. Vier verschiedenen Patientengruppen wurden verschiedene Medikamente verabreicht. In der Finasterid-Behandelten Gruppe traten drei Fälle von Brustkrebs bei Männern auf.

Im Rahmen einer weiteren klinischen Studie wurden 18.882 Männer im Lebensalter von 55 Jahren oder älter über einen Zeitraum von 7 Jahren untersucht und beobachtet. 9423 Teilnehmer erhielten eine Tagesdosis von 5 mg Finasterid. Weitere 9459 männliche Studienteilnehmer bekamen ein Placebo-präparat. In jeder Gruppe trat ein Fall von Brustkrebs während der Studie auf. In dieser Langzeitstudie konnte kein kausaler Zusammenhang von Finasterid-Einnahme und Brustkrebs-Risiko hergestellt werden.

Risikofaktoren für Brustkrebs bei Männern

Fast 20% der männlichen Brustkrebs-Patienten sind erblich Vorbelastet und könnten durch eine frühzeitige und umfassende ärztliche Untersuchung und Familienanamnese wertvolle Hinweise auf ihre bestehende Veranlagung zum Brustkrebs bekommen. Leider bleibt diese Chance auf Früherkennung der Krankheit oft ungenutzt. Dies ist eine Folge des fehlenden Bewusstseins, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Dem zur Folge finden im Allgemeinen auch nur relativ selten Brustuntersuchungen bei Männern statt. Folglich ist die Überlebensrate für Männer mit der Diagnose Brustkrebs leider wesentlich niedriger als die bei Frauen, da der Brustkrebs bei Männern zum Zeitpunkt der Diagnosestellung oft schon im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist und somit eine geringere Heilungschance erfährt.

Weitere Risikofaktoren für männlichen Brustkrebs sind:

  • Familiäre Disposition – Großeltern, Eltern, Geschwister
  • Lebensalter um die 70 Jahre
  • Gen-Mutationen
  • Klinefelter-Syndrom
  • Hodenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Adipositas
  • Karzinom der Prostata
  • Gynäkomastie/Brustvergrößerung
  • Strahlenbelastung
  • Verändertes Testosteron- und Östrogen-Gleichgewicht

Die Veränderung des Östrogen/ Testosteron Gleichgewichts durch Finasterid kann als eine mögliche Ursache für Brustkrebs bei Männern gelten. Die Hemmung der 5α-Reduktase (Typ II) durch Finasterid führt zur erhöhten Konzentration von Testosteron, welches vermehrt in Östradiol umgewandelt wird. Durch die Umwandlung von Östradiol entstehen wiederrum vermehrt Östrogene, welche die Entstehung von Brustkrebs bei Männern begünstigen könnten.

Klinischen Symptome des Brustkrebses bei Männern:

  • Unregelmäßig geformte, aber meist schmerzlose Verhärtung(en) in mindestens einer Brust - meist in der Nähe der Brustwarze(n)
  • Veränderung der Brustwarze oder des Brustwarzenhofs
  • Andauernde Entzündung der Brustwarze
  • Ausfluss aus der Brustwarze
  • Vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle

Fazit

Auch wenn es keinen bewiesenen Zusammenhang der Einnahme von Finasterid und Brustkrebs bei Männern gibt, sollte die Mitteilung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA, Ärzte und Patienten für diese Thema sensibilisieren und endsprechende Anamnesen, Untersuchungen und Behandlungskonzepte berücksichtigen.

Vor einer Haartransplantation ist eine professionelle Anamnese dringend erforderlich.

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