Körperhaartransplantation

Haartransplantation mit Körperhaaren (bodyhairs)

von Reza Azar |

Um Spenderhaar für eine Eigenhaarverpflanzung zu gewinnen, werden Haarfollikel aus dem Haarkranz/Donor des Patienten extrahiert. Unter bestimmten Umständen kann dies jedoch nicht infrage kommen, alternativ steht die Verpflanzung von Körperhaaren (bodyhairs) zur Verfügung. Dazu können Spenderhaare aus den Körperarealen der Arme, Beine, Achseln, Brust, sowie des Rückens, Bauches und des Schambereiches gewonnen werden. Die Wahl des geeigneten Entnahmebereiches wird durch die individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Patienten bestimmt.

Für eine Haartransplantation mit Körperhaaren als Spendermaterial hat sich das FUE-Verfahren als Behandlungsmethode ausgezeichnet bewährt.

Für wen ist eine Körperhaartransplantation besonders geeignet?

  • Für Patienten, die zuvor bereits eine oder mehrere Eigenhaarverpflanzungen durchführen ließen und deren Haarkranz kein ausreichendes Spendermaterial mehr zur Verfügung hält für weitere Behandlungen
  • Für junge Haarausfall-Betroffene mit schlechter Prognose, die sehr unter ihrem Haarverlust leiden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Patienten über ausreichend geeignetes Körperhaar verfügen

Eignen sich Körperhaare aus allen Regionen gleich gut für eine Haartransplantation?

Körperhaare und die Beschaffenheit des Hautgewebes im jeweiligen Entnahmeareal unterscheiden sich voneinander, daher besitzen nicht alle Körperhaare eine einheitlich gute Eignung für eine Haartransplantation im Kopfareal.

Spenderhaare aus dem Brust- und Rückenbereich bestehen zu 90% aus 1-er FU's und besitzen einen stark schwankenden, patientenindividuellen Haarschaftdurchmesser. Werden Körperhaare auf den Kopf verpflanzt, passen sie sich in ihrem Längenwachstum den umgebenden Haaren an, denn für das Längenwachstum besteht keine genetische Vorgabe. Aufgrund dieser günstigen Eigenschaft eignen sich Brust- und Rückenhaare gut als Spenderhaare für Eigenhaarverpflanzungen im Kopfareal.

Eine Entnahme des Spendermaterials aus dem Brustbereich gestaltet sich hingegen selbst mit optimaler Extraktionsnadel (Durchmesser innen 0,95 mm, außen 1,05 mm) schwieriger, als bei einer Entnahme von Kopf-Haarfollikeln. Dies begründet sich mit der Hautbeschaffenheit im Brustareal und hat häufig zur Folge, dass die nächst größere Holnadel (1mm/1,1mm) verwendet wird. Dieser Umstand zieht wiederum eine größere Mikronarbenbildung nach sich. Zumeist aber lassen sich die Mikronarben mit noch bestehenden Haaren und nachwachsenden Brusthaaren recht gut kaschieren.

Rückenhaare kommen in der Regel seltener und weniger ausgeprägt vor, als eine Brustbehaarung. Die Beschaffenheit von Rückenhaaren (Struktur, Wachstumsverhalten, Längenwachstum) ähnelt dem der Brusthaare. Auch das prozentuale Vorkommen der einzelnen Follikelgruppen verhält sich ähnlich, denn auch Rückenhaare weisen zu etwa 90% 1-er FU's auf. Bei der Entnahme von Rückenhaaren ergibt sich allerdings (im Vergleich zu der Entnahme von Brusthaaren) der Vorteil, dass das Hautgewebe weniger dazu neigt, Narben auszubilden.

Barthaare besitzen einen größeren Haarschaftdurchmesser, als Kopfhaare. Werden Barthaare im Kopfareal implantiert, findet allerdings ein gewisser „Angleichungsprozess“ statt, in dessen Verlauf sich das Barthaar um bis zu 50% im Haarschaftdurchmesser reduziert und sich somit besser an das umgebende Kopfhaar anpasst. Das Längenwachstum entspricht in etwa dem von natürlich gewachsenen Kopfhaaren. Auch Barthaare bestehen zu 90% aus 1-er FU's, so dass durch eine Verpflanzung von Barthaaren eine geringe Haardichte erzielt wird, als mit einer vergleichbaren Anzahl an Haarfollikeln aus dem Haarkranz. Barthaare eignen sich insbesondere zum Bepflanzen von Narbengewebe, welches beispielsweise aufgrund eines Unfalls oder einer FUT-Haartransplantation entstanden ist. Die Anwuchsrate von Barthaaren im Narbengewebe liegt höher, als bei einer Narbenbepflanzung mit Kopf-Haarfollikeln. Auch zur Rekonstruktion männlicher Augenbrauen sind Barthaare strukturbedingt sehr gut geeignet.

Nur bedingt geeignet oder eher ungeeignet als Spenderhaar für eine Körperhaar-Transplantation sind Achselhaare, Haare der Extremitäten, Bauch- und Schamhaare

Achselhaare: Es ist lediglich ein begrenztes Volumen verfügbar, zudem erschwert die weiche Haut im Entnahmebereich die Extraktion der Haarfollikel.

Haare von den Armen oder Beinen: Die Extremitäten weisen gewöhnlich schmale und kurze Haarfollikel auf, die Beschaffenheiten eignen sich daher nur bedingt für eine Haartransplantation. Darüber hinaus entstehen beim Extrahieren der Spenderhaare große Entnahmelöcher aufgrund des flachen Austrittswinkels der Haare. Daraus resultieren Rötungen, Entzündungen und eine starke Narbenbildung.

Im Bauch- und Schambereich befinden sich (teils ausgeprägt) subkutane Fettanteile im Hautgewebe, welche dem Gewebe ein hohes Maß an Beweglichkeit verleihen. Dies aber erschwert die Entnahme von Spenderhaaren an diesen beiden Körperstellen erheblich. Risiken und wahrscheinliche Folgen: Haarfollikel werden bei der Extraktion beschädigt, die Transsektionsrate erhöht sich, die Gewinnungsrate im Bauch- und Schambereich ist nicht sehr ergiebig. Spenderhaare aus dem Bauch- und Schambereich finden daher in der Regel bei Haartransplantationen im Kopfareal keine Berücksichtigung.

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