Haartransplantation

ARTAS Roboter in der Haartransplantation

von Reza Azar |

In der Haarverpflanzung wird zunehmend versucht, Arbeitsprozesse zu optimieren bzw. ihren Zeitaufwand zu reduzieren, um letztlich die Kosten für die Anbieter der Haartransplantationen zu minimieren und die Gewinne zu maximieren. Folglich hat auch der Einsatz von Computern und Robotern in der Haarverpflanzung in einigen Kliniken, in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Reza Azar befasste sich bereits seit Anfang der 2000 Jahre mit medizinischen computer- und roboter-assistierten Behandlungen (Veröffentlichung in „Stand der Perspektiven der Computer-assistierten Chirurgie, Uni-Med Verlag 2002). Als erfahrener Haarchirurg kennt er die Vor- und Nachteile der roboter-assistierten Haartransplantation.

Seiner Meinung nach steht der zeitliche und finanzielle Aufwand von ARTAS Roboter bei Haartransplantationen in keinem angemessenen Verhältnis zum sehr beschränkten Nutzen. Die Haartransplantations-Kosten sind für den Patienten enorm hoch und übersteigen die der manuellen FUE Therapie um bis zu 40%. Und dies obwohl die Entnahme nicht durch den spezialisierten Arzt sondern durch die Maschine erfolgt. Allerdings ist die motorisierte Behandlung qualitativ nicht mit einer manuellen Haartransplantation durch geübte Hände zu vergleichen. Und es gibt weitere Nachteile.

Zunächst ist die roboter-assistierte Gewinnung von Spenderhaaren lediglich auf die occipito-parietalen und occipitalen Regionen, also nur auf einen begrenzten Anteil des Hinterkopfes limitiert - folglich können nur etwa 25% des Spenderareals ausgeschöpft werden. Die nur auf ein bestimmtes Areal begrenzte Entnahme von Spenderhaaren führt zu einer starken lokalen Ausdünnung der Kopfhaare. Daraus erfolgt eine inhomogene Haardichte des Haarkranzes, welche den ästhetischen Ansprüchen der modernen Haartransplantation nicht entspricht.

 

Spenderareale für den Einsatz von einem Robote bei einer Haartransplantation

Abb. Oben: Aus technischen Gründen kann ein Roboter nur die Spenderhaare aus den eingezeichneten Feldern 4 und 5 entnehmen. Ein großer Teil des Spenderareals in der Haarkranzregion kann mittels Roboter folglich gar nicht erreicht bzw. bedient werden.

Da sich das Haarwachstum eines jeden Patienten unter anderem auch über einen regional variierenden, aber bestimmten Austrittswinkel der Haare charakterisiert, ist eine entsprechend winkelgenaue Extraktion der Haarfollikel nötig, welche jedoch mittels Roboter nicht zielgenau möglich ist.

Auf Kosten des Heilungsprozesses wird der Eingriff bei einer Haatransplantation durch Roboter verkürzt

Als Folge dessen, führt die robotergesteuerte Entnahme von Haarfollikeln im Vergleich zur manuellen Entnahme, zu einer erhöhten Transsektionsrate also Verletzung der zu gewinnenden Haarwurzeln. Um diese zu minimieren, bedient man sich in der roboter-assistierten Haarchirurgie sehr großer Extraktionsnadeln mit 1.4 – 1.6 mm Durchmesser, die jedoch das Hautgewebe und benachbarte Haare nach der Haartransplantation stark schädigen können.

Ausdünnung und Narbenbildung nach dem Einsatz eines Robotor bei einer Haartransplantation

Abb. Oben: Starke Ausdünnung der Haardichte und schwere Narbenbildung am Hinterkopf des Patienten sind Folgen des Einsatzes eines Roboters in der Haartransplantation.

Ebenfalls nachteilig ist, dass der Roboter nicht über die notwendige sensorisch-adaptierte Differenzierung der Geschwindigkeit bei der Führung der Hohlnadel in die Hautschichten verfügt.

Subsummierend widersprechen die beschriebenen Gegebenheiten den Grundsätzen der gewebeschonenden und narbenfreien FUE-Haartransplantation, da sie das Entnahmeareal nachhaltig schädigen und ggf. schwerwiegende und irreversible Komplikationen verursachen. Die Anwendung von Robotern stellt somit eine Art Abwandlung der FUE-Methode dar, die als invasive und traumatisierende Methodik zu bewerten ist.

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