Haartransplantation

Shock-Loss: Bedeutung, Ursachen und Behandlung

von Reza Azar |

Was ist Shock-Loss

Als Shock-Loss bezeichnet man iatrogenen (durch einen Arzt verursacht) Haarausfall, welcher durch ein Trauma z.B. durch eine Haartransplantation oder eine Operation am Kopf ausgelöst wurde. Bestehende Haarwurzeln werden durch das Trauma so geschädigt, dass die dazugehörigen Haare ausfallen.
Die Schädigung des Hautgewebes und der darin befindlichen Blutversorgung der Haarfollikel führt zu neurogenen Entzündungen, welche bestimmte Neuropeptide als Entzündungsfaktoren freisetzen.
Nicht nur in den direkt geschädigten Arealen, sondern auch in den benachbarten Hautbereichen, werden neurogene Entzündungskaskaden aktiviert, die schließlich zum Haarausfall führen.

Ursachen von Shock-Loss

Haartransplantationen können Shock-Loss auf verschiedene Weise verursachen. So kann eine zu umfangreiche FUE-Haartransplantation, von mehr als 2000 Grafts, diesen besonderen Haarverlust im Entnahmebereich (Hinterkopf) auslösen.
Auch der traumatisierende Skalpell-Schnitt bei der FUT-Haartransplantation kann das Gewebe im Entnahmebereich so stark schädigen, dass es zum Shock-Loss bedingten Ausfall benachbarter Haare kommt.
Im Empfängerareal kann es zum Shock-Loss kommen, wenn die Transplantate zu dicht transplantiert werden (Dense Packing). So kann das Hautgewebe derart stark traumatisiert werden, dass es zum Ausfallen der ggf. noch vorhandenen benachbarten Haare kommt.

Ungeachtet der angewendeten Methode kann eine nicht fachgerechte Durchführung der Haartransplantation ursächlich für Shock-Loss sein. Hier können verschiedene auslösende Faktoren zusammenkommen, z.B. die Anwendung von Mikromotoren, Roboter sowie der Einsatz von nicht-ärztlichem Personal zur Durchführung der Haartransplantationen oder es kommt zu Infektionen durch Nichteinhaltung von Hygienestandards.

Die Tumeszenz-Lokalanästhesie kann ebenfalls zu Shock-Loss führen. Eine zu umfangreiche Unterspritzung der Kopfhaut mit Kochsalzlösung führt zu erhöhtem Gewebsdruck, welcher zur temporären Unterbrechung der Durchblutung der Haarwurzeln (Haarfollikel) führen kann. Das so entstehende Trauma löst schließlich den sogenannten Shock-Loss aus.
Diese Art der exzessiven und übertriebenen Unterspritzung der Kopfhaut mit Betäubungsmitteln und Kochsalzlösung (Tumeszenz-Anästhesie) wird oft in „Billigländern“  und leider mittlerweile auch in Deutschland durchgeführt.

Ein reversibles oder langfristiges Phänomen

In der Haarverpflanzung wird Shock-Loss oft als reversibles Phänomen beschrieben, welches sich angeblich nach etwa 6 Monaten gänzlich regeneriert.
Dies entspricht jedoch nur teilweise unseren klinischen Erfahrungen. Sofern der Shock-Loss durch eine stark gewebetraumatisierende Methode verursacht wurde, ist ein vollständiges Nachwachsen der durch Shock-Loss verlorenen Haare eher unwahrscheinlich. Die Traumatisierung scheint in diese Fällen einfach zu umfangreich und zerstörerisch zu sein, als das sich das Gewebe und die darin enthaltenen Haarfollikel regenerieren könnten.
In Fällen, in denen die Schädigung des Gewebes nicht ganz so gravierend war, kann sich das Gewebe ggf. nach einiger Zeit wieder regenerieren. Es darf mit einem Nachwachsen der verlorenen Haare gerechnet werden. Leider ist jedoch nicht vorhersehbar, ob sich die Haarfollikel wieder so regenerieren werden, dass es zum erneuten Haarwachstum kommen wird.

Welche Haare sind von Shock-Loss betroffen

Menschliche Haare wachsen in einem bestimmten Haarzyklus.
In der Wachstumsphase (Anagenphase) bilden sich neue Haarwurzeln, die eine Haarproduktion hervorbringen und somit das sichtbare Haar wachsen lassen. Etwa 80 % aller Kopfhaare befinden sich in dieser mehrjährigen Lebensphase, welche schließlich in eine mehrwöchige Katagenphase wechselt. In der Katagenphase wird das Haarwachstum innerhalb weniger Wochen zunehmend eingestellt, der Haarfollikel verkleinern sich und das Haar fällt aus. Dies betrifft etwa 1 % aller bestehenden Kopfhaare. Schließlich kommt es zur Regeneration des Haarfollikels und erneutem Haarwachstum in der Telogenphase. Shock-Loss wird oft auch als „Telogen-Effluvium“ bezeichnet – also einem Haarverlust der in der Telogenphase befindlicher Haare.
Nach unseren klinischen Erfahrungen kann Shock-Loss jedoch auch die in der Anagenphase befindlichen Terminalhaare betreffen. Es gibt also neben dem „Telogen-Effluvium“ auch ein „Anagen-Effluvium“.

Verstärkende Faktoren von Shock-Loss

Bisher gibt es keine bewiesenen Erkenntnisse über verstärkende Faktoren des Shock-Loss. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich Rauchen, die Einnahme bestimmter Medikamente, hohes Alter, Stress und ähnlich schwächende Faktoren eher negativ auf die Shock-Loss-Symptomatik auswirken.

Welche Therapie hilft bei Shock-Loss

Derzeit versucht man Shock-Loss vorrangig medikamentös, z.B. mit Minoxidil zu behandeln. Allerdings liegen derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit der medikamentösen Shock-Loss-Therapie vor.

Ursachen für Shock-Loss

Shock-Loss im Entnahmeareal (Donor Area)

Shock-Loss im Entnahmeareal (Donor Area)
• gewebetraumatisierende Skalpell-Schnitt nach FUT Methode (Streifen-Methode)
• zu umfangreiche Spenderhaarentnahme bei FUE-Haartransplantation (mehr als 2000 Grafts)
• Verwendung von Mikromotoren und Roboter zur Gewinnung von Spenderhaaren in der FUE-Haartransplantation

Shock-Loss im Empfangsareal (Transplantationsareal)

Shock-Loss im Empfangsareal (Transplantationsareal)
• zu dichte Transplantation (Dense Packing)
• Verwendung gewebetraumatisierender Instrumente zur Vorbereitung der Empfangsvertiefungen in der Haut
• exzessive Tumeszenz-Anästhesie (wird postoperativ durch massive Gewebs- bzw. Gesichtsschwellung sichtbar)

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