ZDF - Haartransplantation am Bosporus

von Reza Azar |

Berichterstattung des ZDF auslandsjournals zur Haartransplantation in der Türkei

Sehr geehrte Damen und Herren des Auslandsjournals,

in der vergangenen Woche berichteten Sie in Ihrer Sendung unter anderem über das Thema Medizintourismus. Der gezeigte Bericht verärgerte mich sehr, da er ein ernstes Thema sehr einseitig, falsch und für Laien folglich irreführend darstellte.

Sie berichteten über medizinische Eingriffe in der Türkei so, als ob es sich im Vergleich zu Deutschland um absolut gleichwertige Verfahren mit gleichwertig geschultem Personal und letztlich um gleichwertige Behandlungsergebnisse handeln würde, die sich lediglich in Ihren Kosten unterscheiden. Das ist absolut falsch und nicht der Fall!

Sie sprachen von „zertifizierten Spezialisten“, die z.B. Haartransplantationen in der Türkei durchführen und suggerieren dem Zuschauer damit einen qualitativ guten Standard. Dass diese nichtssagenden „Zertifizierungen“ schnell und unkompliziert sowie ohne umfangreiches Fachwissen erworben werden können und in keinster Weise den deutschen Anforderungen entsprechen, verschwiegen Sie.

In Deutschland muss ein derartiger Eingriff z.B. aus guten Gründen (humane Gewebeentnahme) von einem Arzt durchgeführt werden – in der Türkei ist das in der täglichen Praxis leider nicht der Fall. Natürlich gibt es auch einige Praxen oder Kliniken in der Türkei, die auf hohem Standard transplantieren, aber dies ist eben nicht die Regel. Die Anforderungen an das türkische Personal sind mit den deutschen Voraussetzungen überhaupt nicht vergleichbar und bergen teils große Risiken für die Patienten. Auf diesen wichtigen Punkt sowie die türkischen Hygienestandards gingen Sie leider gar nicht ein.

Insgesamt ist Ihr Bericht leider äußerst schlecht recherchiert und stellt sogar eine irreführende Werbung für den „Billig-Medizintourismus“ dar. Sie zeigen einen Werbefilm des türkischen Gesundheitsamtes. Was aber deutsche Ärzte und/oder das deutsche Gesundheitsamt zu dem Thema sagt, wird von Ihnen nicht dokumentiert. Da es doch aber ein Bericht für den deutschen Verbraucher sein sollte, wäre dies doch wichtig!

Auch die Behandlungsergebnisse wurden von Ihnen nicht dokumentiert und so verschwiegen Sie, dass mehr als die Hälfte der in der Türkei durchgeführten Haartransplantationen unbefriedigende Ergebnisse erzielen und/oder die Patienten sogar nachhaltig schädigen. Oft sind anschließende umfangreiche Korrekturbehandlungen mit letztlich wesentlich höheren Kosten die Folge.

Darüber hinaus, sollten Sie auch die machtlose Situation deutscher Patienten in der Türkei aufzeigen - in Fällen von Reklamationen oder gar Komplikationen.
In diesen Fällen ist der geschädigte Patient nicht nur durch die mangelnden Sprachkenntnisse sondern zudem durch die dann geltenden türkischen Gesetzte machtlos – all diese Punkte sollten bei der Betrachtung des Gesundheitstourismus auch nicht unbeachtet bleiben!

Es verärgert mich sehr, dass derart kurzsichtige und irreführende Berichte in Ihrer Sendung veröffentlicht werden und den deutschen Verbraucher verunsichern und letztlich falsch beraten. Zudem handelt es sich ja um einen, mit öffentlichen GEZ-Gebühren finanzierten Beitrag, der eigentlich einen Mehrwert für den Zuschauer darstellen sollte. Das ist leider nicht gelungen!

Tatsächlich handelt es sich um ein wirklich interessantes Thema, welches eine kompetente Behandlung in den Medien verdient. Über einen solchen Beitrag, der die verschiedenen Perspektiven, Gefahren sowie Vor- und Nachteile aufzeigt, würde ich mich sehr freuen.
Sollten Sie zur differenzierten Darstellung des Themas Haartransplantation fachkundige Unterstützung benötigen oder Kontakte zu entsprechend geschädigten Patienten suchen, so helfe ich Ihnen gerne weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Reza Azar
Arzt und Präsident von FUE Europe
Vereinigung europäischer Ärzte für FUE-Haartransplantationen

 

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