Führt Creatin zu Haarausfall?
Zusammenhänge & Wirkung auf Haare

Für Leistungssportler und viele ambitionierte Amateure gehört es dazu, den sportlichen Erfolg durch die Einnahme verschiedener Nahrungsergänzungsmittel zu unterstützen. Creatin ist ein beliebtes und häufig verwendetes Mittel, um die Kraft und Funktion der Muskeln zu verbessern. Vor einigen Jahren geriet es aber etwas in Verruf, weil die Creatin-Einnahme mit einer erhöhten Rate an Haarausfall in Verbindung gebracht wurde.

Sind Sportler, die dieses Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, wirklich überdurchschnittlich oft von einer Halbglatze betroffen? Und ist die Einnahme von Creatin unter dem Gesichtspunkt der Haargesundheit noch zu empfehlen? Wir klären auf!

1. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Creatin ist eine nicht essenzielle Aminosäure, die wichtig ist für die Energieversorgung der Muskulatur.
  • Viele Sportler nehmen Creatin als Nahrungsergänzungsmittel, um Leistungsfähigkeit und Muskelaufbau zu steigern.
  • Es gab in einer Studie Hinweise darauf, dass Creatin den Spiegel von Dihydrotestosteron (DHT) im Körper erhöht.
  • Erblich bedingter Haarausfall beruht auf einer Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber DHT.
  • Es wurde deshalb vermutet, dass Creatin-Einnahme erblich bedingten Haarausfall verschlimmern kann.
  • Insgesamt ist die Studienlage zu Creatin-Einnahme und Haarausfall nicht eindeutig. Sichere Hinweise auf einen vermehrten Haarausfall durch Creatin gibt es nicht.

2. Arten von Haarausfall

Es gibt unterschiedliche Ursachen für Haarausfall, die nicht alle auf die gleiche Art behandelt werden können.

Die mit Abstand häufigste Form, die bei etwa 90 bis 95 Prozent der von Haarausfall Betroffenen vorliegt, ist der erblich bedingte Haarausfall, den man auch androgenetische Alopezie nennt.

  • Es handelt sich um eine anlagebedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem männlichen Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT).
  • DHT wird durch das Enzym 5-alpha-Reduktase aus Testosteron umgewandelt.
  • Es kommt zu einem charakteristischen Muster des Haarausfalls: Bei Männern von Geheimratsecken über die Glatzenbildung am Oberkopf bis hin zur Halbglatze, bei Frauen mit einer Lichtung der Scheitelregion.
  • Auf den Bartwuchs haben die männlichen Geschlechtshormone übrigens den gegenteiligen Einfluss: Er verstärkt sich unter dem Einfluss von DHT.

Eine weitere Form ist der kreisrunde Haarausfall, der auch unter dem Namen Alopecia areata bekannt ist. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper fälschlicherweise die eigenen Haarwurzeln angreift. Dadurch entstehen runde oder ovale, komplett kahle Stellen im Haarkleid.

Weiterhin gibt es den diffusen Haarausfall. Dabei kommt es zu einer generellen Ausdünnung der Haare. Zugrunde liegen verschiedene Ursachen wie Vitamin- oder Nährstoffmangel, Nebenwirkungen von Medikamenten, Infektionskrankheiten oder hormonelle Schwankungen.

Daneben gibt es seltenere Formen des Haarausfalls. Dazu zählt die psychische Erkrankung namens Trichotillomanie, bei der sich Betroffene selbst die Haare ausreißen. Durch Stylingfehler kann eine Traktionsalopezie entstehen. Auch Unfälle oder Verletzungen der Kopfhaut können Haarausfall zur Folge haben.

3. Warum Creatin als Supplement eingenommen wird

Creatin ist eine nicht essenzielle Aminosäure. Der Körper selbst kann in der Leber, der Niere und der Bauchspeicheldrüse ungefähr ein bis zwei Gramm pro Tag davon herstellen.

Wenn der Körper Energie benötigt, zum Beispiel im Rahmen einer sportlichen Betätigung, passiert das auf chemischer Ebene durch die Spaltung des Moleküls Adenosintriphosphat (ATP). Für die Herstellung von ATP wiederum braucht der Körper Creatin. Neben der eigenen Produktion durch den Körper kann man Creatin über die Nahrung aufnehmen. Es ist vor allem in Eiern, Fisch und rotem Fleisch enthalten. Allerdings wird durch das Kochen ein großer Anteil des enthaltenen Creatins zerstört.

Wer körperlich sehr aktiv ist oder viel Sport macht, benötigt pro Tag etwa drei bis fünf Gramm Creatin. Da diese Menge über die Eigenproduktion und die Ernährung schwierig zu erreichen ist, nehmen viele Sportler zusätzlich Creatin als Nahrungsergänzungsmittel ein. Dadurch werden die Muskeln besser mit Energie versorgt und es gelingt den Sportlern, bessere körperliche Leistungen zu erbringen und den Muskelaufbau zu beschleunigen. Außerdem kann Creatin die Funktion des Gehirns und der Nerven verbessern, sodass auch die geistige Leistungsfähigkeit unter einer Creatin-Einnahme steigen kann.

4. Studie: Was hat Creatin mit Haarausfall zu tun?

Wegen der vielen positiven Effekte auf die Muskulatur ist Creatin vor allem bei Leistungssportlern ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel, was sehr häufig eingenommen wird.

  • Durch eine südafrikanische Studie aus dem Jahr 2009 ist es jedoch etwas in Verruf geraten, da in dieser Studie Hinweise darauf gewonnen wurden, dass die Einnahme von Creatin Haarausfall begünstigen könnte. Vor allem von einer Verschlechterung von erblich bedingtem Haarausfall war die Rede.
  • Die Studie wurde an gesunden Rugby-Spielern durchgeführt, die über drei Wochen lang täglich hochdosiert Creatin oder ein Placebo bekamen.
  • Während der Creatin-Einnahme konnten die Forscher einen signifikant höheren DHT-Spiegel im Körper der Sportler messen.
  • Da die Wirkung von DHT auf die Haarwurzeln als Hauptgrund für erblich bedingten Haarausfall gilt, wurde postuliert, dass die Creatin-Einnahme den Haarausfall verstärken kann.

 

Im Nachhinein wurde diese Studie allerdings stark kritisiert. Zum einen wurde das genaue Produkt, was die Sportler bekamen, nicht genannt. Bei einigen Herstellern wurden in den Creatin-Produkten nämlich Verunreinigungen mit verschiedenen Steroiden und Stimulanzien gefunden. Diese Stoffe hätten ebenfalls für einen Einfluss auf den DHT-Spiegel sorgen können. Außerdem war die eingangs verwendete Creatin-Dosis fünfmal höher als die Dosis, die zur Nahrungsergänzung empfohlen wird. Das könnte die Studienergebnisse deutlich beeinflusst haben. Auch die Tageszeit, zu der die Blutproben der Sportler entnommen wurden, wurde in der Studie nicht angegeben. Das wäre aber wichtig, da die Spiegel von Geschlechtshormonen tageszeitlichen Schwankungen unterliegen.

Aufgrund dieser vielen Kritikpunkte wurden die Ergebnisse der Studie von vielen Wissenschaftlern als fragwürdig angesehen. Es gab einige weitere Studien, die die Effekte von Creatin-Einnahme auf den Hormonhaushalt untersucht haben. Nur wenige davon konnten eine Änderung im Testosteronspiegel messen. In zahlreichen weiteren Studien konnte kein Effekt der Creatin-Einnahme auf den Hormonhaushalt festgestellt werden.

In keiner einzigen Studie wurde der direkte Effekt von Creatin auf den Haarausfall untersucht. Denn selbst wenn Creatin einen Einfluss auf den Spiegel der männlichen Sexualhormone nehmen sollte, ist nicht gesagt, dass dies automatisch zu mehr Haarschwund führt. Letztlich gibt es somit bisher keinen finalen Beweis, dass die Einnahme von Creatin einen erblich bedingten Haarausfall begünstigt oder verschlechtert.

5. Wann kann Creatin zu Haarausfall führen?

Es gibt in vielen Ländern eine große Anzahl von Sportlern, besonders Kraftsportler und Bodybuilder, die Creatin als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Bisher konnte nicht beobachtet werden, dass diese Sportler übermäßig häufig unter Kahlköpfigkeit leiden. Möglicherweise lag der in einigen Studien beobachtete negative Effekt daran, dass die verwendeten Creatin-Dosierungen viel höher waren als die normalerweise genutzten, sodass die Ergebnisse nicht auf Sportler übertragen werden können, die sich an die übliche Dosierungsempfehlung halten.

Außerdem ist davon auszugehen, dass betroffene Sportler primär diejenigen sind, die ohnehin bereits unter erblich bedingtem Haarverlust leiden. Denn neben dem absoluten DHT-Spiegel gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die den erblich bedingten Haarverlust beeinflussen. Dazu gehört die genetische Veranlagung und die individuelle Empfindlichkeit der Haarwurzeln auf das DHT.

In unserem klinischen Alltag sehen wir jedoch häufig einen Zusammenhang zwischen der Creatin-Einnahme und Haarausfall. Wenn Sie also unter Haarausfall leiden und dies mit dem Zeitpunkt der Einnahme zusammenhängt, kann dies durchaus die Ursache sein.

6. Fazit: Was können Betroffene tun?

Nach aktueller Studienlage ist davon auszugehen, dass sich die Einnahme von Creatin primär auf die sportliche Leistungsfähgkeit auswirkt. Ein signifikanter Effekt auf das Haarwachstum konnte bisher nicht bewiesen werden.

  • Auch wenn der wissenschaftliche Beweis durch eine Studie noch aussteht, sehen wir in unserem klinischen Alltag einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Creatin und Haarausfall. In diesem Fall ist es ratsam, auf Creatin-Ersatzprodukte auszuweichen und/ oder einen pflanzlichen DHT-Blocker oder ein Medikament, wie Finasterid in Tablettenform oder noch besser als Lösung (da nebenwirkungsärmer) zu verwenden.
  • Als Ersatzprodukte für Creatin mit ähnlicher Wirkung stehen noch Kre-Alkalyn oder Beta-Alanin zu Verfügung. Sie stehen bisher nicht im Verdacht, sich auf das Haarwachstum auszuwirken, bei allerdings sehr dünner Studienlage.
  • Wer komplett auf Supplementierung verzichten und seinen Energie- und Proteinbedarf durch natürliche Lebensmittel stillen möchte, sollte viel Fisch, Quark, Käse, Nüsse und Hülsenfrüchte zu sich nehmen.
  • Außerdem ist es generell sinnvoll, auf eine gesunde Ernährung zu achten, da ein gesundes Haarwachstum nur einsetzen kann, wenn das Haar genügend Vitamine und Spurenelemente bekommt.
  • Zur Pflege von außen beitragen können Shampoos oder Haarkuren mit Basilikum, Jojobaöl oder Olivenöl, die die Haare geschmeidig machen und Haarbruch vorbeugen können.
  • Speziell bei erblich bedingtem Haarausfall können Shampoos oder Lösungen mit Minoxidil oder Alfatradiol eine Möglichkeit sein. Als lokal angewendete Mittel haben sie kaum Nebenwirkungen und können den Haarverlust bremsen. Als Tablette steht der Wirkstoff Finasterid zu Verfügung, der allerdings ein größeres Nebenwirkungsprofil aufweist.

Sicher ist es auch eine Möglichkeit, erblich bedingten Haarverlust als "normale" Alterserscheinung hinzunehmen und den neuen Look zu akzeptieren. Es gibt aber heute viele Möglichkeiten, um den Haarverlust deutlich zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten. Deshalb sollten Sie, wenn Sie unter ihrem Haarverlust leiden, nicht zögern, einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufzusuchen. Im Zentrum für moderne Haartransplantation in Berlin freuen wir uns über Ihre Terminvereinbarung per Telefon, E-Mail oder über unser Onlineformular.

Wie können wir Ihnen helfen?

Sie interessieren sich für eine professionelle Diagnostik und Behandlung Ihres Haarausfalls? Oder Sie möchten ihre Wimpern, Augenbrauen oder Ihren Bart durch eine Haartransplantation wiederherstellen oder optisch verschönern lassen? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Reza Azar, Ärztlicher Leiter

Zentrum für moderne Haartransplantation
Kurfürstendamm 218
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Reza P. Azar

Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie. Seit 2008 leitet er das „Zentrum für moderne Haartransplantation", in dem er als Haarchirurg und Experte für Haarausfalldiagnosen, -therapien und -behandlungen tätig ist. Im Laufe der Jahre konnten bereits tausende Patienten mit Haarausfall-Problemen erfolgreich behandeln werden.

Durch Forschungsarbeiten und ständige Weiterentwicklungen prägt er die Entwicklungen der modernen Haarchirurgie. Seine fachliche Meinung ist regelmäßig in TV, Presse und Radio gefragt, zudem ist er Autor verschiedener Fachbeiträge und Fachbücher.

Die Erfolgsraten bei Haarausfallbehandlungen liegen bei über 90%. Seine jüngste Errungenschaft ist die Entwicklung der "IG-Haartransplantation", transplantierten Haarfollikel gehen nach der Transplantation in direktes Wachstum über und fallen nicht zunächst aus, eine Revolution in der Haartransplantation.