Entzündungen und Haarausfall: Diese Zusammenhänge bestehen

Entzündungen spielen eine zentrale Rolle bei Haarausfall: Egal ob erblich bedingt, durch Autoimmunerkrankungen oder Mangelernährung ausgelöst. Sie sind sowohl Ursache als auch Verstärker des Haarverlusts. Entzündungsreaktionen führen zu einer Funktionsstörung der Haarfollikel, verschlechtern die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und beeinträchtigen den Haarzyklus. Erfahren Sie hier, wie Entzündungen entstehen, welche Rolle sie bei unterschiedlichen Haarausfallformen spielen und welche Behandlungsansätze helfen, den Kreislauf zu durchbrechen.

Ärztlicher Leiter Reza Azar

Ärztlicher Leiter Reza Azar

Pionier der minimal-invasiven Haartransplantation und der innovativen regenerativen Haarausfall-Therapien in Deutschland.

Schnellüberblick: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Haarausfall hat viele Ursachen, aber Entzündungen spielen bei den meisten Formen des Haarausfalls eine entscheidende Rolle: Sie können die direkte Ursache oder ein Multiplikator des Haarausfalls sein.
  • Die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern ist erblich bedingter Haarausfall, eine Überreaktion auf DHT. Sind die Haarfollikel bereits durch Entzündungen geschwächt, ist die schädigende Wirkung umso verheerender.
  • Es gibt offen sichtbare Entzündungen der Kopfhaut, die zu Haarausfall führen (z.B. mit Rötung, Schuppung und Juckreiz, Seborrhoische Dermatitis), aber auch weniger sichtbare Entzündungen, die die Abläufe im Körper stören (z.B. Wachstumsprozesse, Nährstoffversorgung) und ebenfalls das Haarwachstum beeinträchtigen.
  • Um Haarausfall zu stoppen, ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich. Die direkten Ursachen müssen beseitigt werden, aber auch die sekundären Ursachen und Multiplikatoren des Haarausfalls.
  • Entzündungsreaktionen können durch Ernährung, geeignete Haarpflegeprodukte und eventuell Medikamente vermindert werden. Darüber hinaus sollte alles vermieden werden, was Entzündungen auslöst oder verstärkt (sogenannte Triggerfaktoren wie Stress, Alkohol, Schmerzen, bestimmte Medikamente).

 

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Entzündungen sind normale Körperreaktionen

Mit einer Entzündung reagiert unser Immunsystem auf Umweltreize, die unserem Körper schaden können:

  • Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze)
  • Gewebeschädigungen (physikalisch, chemisch)
  • Fremdkörper

Üblicherweise fällt eine Entzündung durch Rötung, Schwellung und Überwärmung des betroffenen Gewebes auf. Dazu kann es Schmerzen und einem Funktionsverlust kommen. Nach dieser akuten Abwehrreaktion klingt die Entzündung normalerweise wieder ab und eventuell geschädigtes Gewebe wird repariert. Manchmal wird der Prozess jedoch chronisch, etwa weil der Auslöser nicht neutralisiert werden kann. Das hat negative Konsequenzen für die Funktion des betroffenen Gewebes. Es kann außerdem vorkommen, dass unser Immunsystem eigene Körperzellen angreift, da es sie irrtümlich für fremd hält (sogenannte Autoimmunerkrankungen).

Was hat eine Entzündung mit Haarausfall zu tun?

Die Wachstumsfaktoren bFGF und aFGF sind besonders wichtig

Entzündungen können direkt zu Haarausfall führen, z.B. in Form von Entzündungen der Kopfhaut (Narbenalopezie, Pilz- oder Parasitenbefall, unsachgemäße Pflege usw.) oder indirekt, indem sie die Nährstoffversorgung stören, die Funktionsfähigkeit der Prozesse beeinträchtigen und zu Alopezie führen.

In manchen Fällen richtet sich die Entzündung auch gegen körpereigene Zellen, was ebenfalls zu Haarausfall führt. In diesem Fall spricht man von einer fehlgesteuerten Immunreaktion bzw. Autoimmunerkrankung.

Darüber hinaus können Entzündungen andere Ursachen verstärken und sind somit Multiplikatoren: Entzündungen führen zu Funktionseinschränkungen körpereigener Prozesse, wodurch Wachstum und Entwicklung gestört werden. Die Haarwurzeln sind nicht mehr so widerstandsfähig und werden anfälliger für alle "Herausforderungen" wie Nährstoffmangel, DHT-Sensibilität etc.

Entzündung der Kopfhaut & Haarfollikel

Eine Entzündung an der Kopfhaut kann recht unangenehm sein. Zum einen kann sie mit sichtbaren Rötungen und anderen Hautveränderungen einhergehen, wie Pusteln, Schuppen oder nässenden Stellen. Zum anderen ist damit verbundener Juckreiz nicht selten. Zu guter Letzt kann die Entzündungsreaktion zu einem Haarverlust führen, was für viele Betroffene ein ästhetisches Problem darstellt. Neben den körperlichen kann das auch psychische Folgen nach sich ziehen.

Aber auch verborgene Entzündungen an den Haarwurzeln, deren umliegenden Gefäße und Nerven wirkt sich auf das Haarwachstum aus. Prozesse werden gestört, die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff behindert.

  • Haarwurzelentzündung oder Haarbalgentzündung, medizinisch Follikulitis: Alle Haarausfall-Formen gehen mit einer Entzündung an der Haarwurzel einher. Häufig betrifft die Entzündung das gesamte Gewebe einschließlich der umgebenden Nerven und Gefäße, was sich auf die Nährstoffversorgung, den Haarzyklus und andere Prozesse auswirkt und das gesamte Organ in Mitleidenschaft zieht.
  • Abszesse (Furunkel und bakterielle Follikulitis): Es entstehen eitergefüllte Höhlen unter der Hautoberfläche, die von einem entzündeten Haarfollikel oder einem anderen Entzündungsherd ausgehen können. Vernarbungen sind häufig, insbesondere, wenn es sich um die mehrere Zentimeter durchmessenden Karbunkel handelt. An der betroffenen Stelle muss leider mit einem dauerhaften Haarverlust gerechnet werden. Warme Umschläge sorgen für eine schnellere Heilung der Läsion. Nicht selten muss ein Abszess jedoch chirurgisch eröffnet werden.
  • Allergien: Eine Überreaktion des Immunsystems auf eigentlich ungefährliche Stoffe. Das können etwa Inhaltsstoffe von Haarpflegemitteln sein. Hier hilft ein Vermeiden der Auslöser und der Umstieg auf andere Haarkosmetika.

Autoimmunreaktion & Haarausfall

  • Schuppenflechte: Eine Autoimmunerkrankung, die mit schuppenden, entzündeten Hautstellen einhergeht. Die Kopfhaut gehört zu den typischen betroffenen Stellen. Es gibt spezielle Medikamente, die die Immunreaktion bremsen.
  • Vernarbende Alopezie: Bei dieser Form des Haarausfalls werden die Haarfollikel irreversibel zerstört und es bilden sich Narben. Vernarbende Alopezie wird u.a. durch Autoimmunerkrankungen, Infektionen und Hauterkrankungen ausgelöst.
  • Bei einer Alopecia areata greift unser Immunsystem die Haarfollikel an, die mit Entzündung und Haarverlust reagieren. Im Randbereich der Kahlstellen finden sich kurze, abgebrochene Härchen. Die betroffenen Stellen können wechseln und die Erkrankung verschwindet unter Umständen von selbst wieder. Sie kann aber auch lebenslang weiterbestehen.

Entzündungsreaktion als Ursache und Multiplikator

Die Ursachen für Entzündungsreaktionen im Körper und auf der Kopfhaut können sehr unterschiedlich sein. Sie können jedoch immer mit Haarausfall einhergehen und weitere Entzündungsprozesse hervorrufen, die zu einer funktionellen Dekompensation des Haarfollikels führen können.

Primäre & sekundäre Ursache

  • Entzündungen gehen jedem Haarausfall voraus: Erblich bedingter Haarausfall, Autoimmunerkrankungen, Entzündungen der Kopfhaut oder Mangelernährung sind einige Beispiele.
  • Grundsätzlich spielen aber auch andere Entzündungen im Körper eine Rolle und können die primären Ursachen verstärken. Zum Beispiel eine Darmerkrankung.
  • Entzündungsreaktionen führen zu einer Dekompensation des Haarwachstums und des Haarzyklus. Zum Beispiel kann eine Mangelernährung zu einer Fehlsteuerung und Entzündung der Gefäße führen, die die Haarfollikel versorgen. Dies wiederum beeinträchtigt die Versorgung der Haarfollikel und stört die Wachstumsprozesse.
  • Erblich bedingter Haarausfall: Vererbte Überempfindlichkeit gegen Dihydrotestosteron, ein männliches Sexualhormon. Ist das Gewebe bereits durch Entzündungen geschwächt, wirkt sich der anlagebedingte Haarausfall umso stärker aus.

Entstehen von Entzündungen & Verbreitung

  • Hat die Entzündung bereits die Haarwurzeln und das umliegende Gewebe erreicht, kann sie sich dort festsetzen und chronisch werden. Man spricht dann von einer Chronifizierung der Entzündung. Die Entzündung greift dann auf benachbarte Regionen über.
  • Unsere Patienten berichten oft von einem "Kribbeln" auf der Kopfhaut, als würden Ameisen darüber laufen. Dies ist die Folge einer Entzündungsreaktion des Gewebes und einer Nervenreaktion auf die Entzündung. Diese Störungen der Hautsensibilität werden auch als Trichodynie bezeichnet.
  • In diesem Stadium ist es wichtig, den Körper bei der Bekämpfung der Entzündung zu unterstützen.

Nicht in jedem Fall ist die Entzündungsreaktion anhand ihrer typischen Symptome erkennbar. Kommt es zu einem Haarausfall oder anderen Beschwerden an der Kopfhaut, ist daher zunächst eine sorgfältige Diagnostik erforderlich. So werden die Ursachen ermittelt und können gegebenenfalls beseitigt werden.

Manchmal wirken verschiedene Faktoren zusammen oder die Zusammenhänge, die zu einem Haarausfall führen, sind nicht offensichtlich.

Beobachten Sie: Wie viele Haare fallen aus (beim Duschen, Haare auf Kissen)? Gibt es Veränderungen auf Ihrer Kopfhaut? (Schuppen, Jucken der Kopfhaut, Kribbeln, fettiges Haar).

Welche Folgen hat eine Entzündung an den Haarwurzeln?

Was passiert nun genau an den Haarwurzeln, wenn es dort zu einer Entzündung kommt? Egal aus welchem Grund - im Rahmen der Immunreaktion wandern verschiedene Immunzellen aus dem Blut und den umliegenden Geweben ein. Sie werden durch die Produktion von bestimmten körpereigenen Stoffen, den Entzündungsmediatoren, angelockt und ihre Tätigkeit koordiniert.

So wird eine ganze Kaskade an Ereignissen angestoßen, an der letztlich eine ganze Reihe von Immunzellen und Stoffen beteiligt sind. Sie alle sind an der resultierenden Entzündungsreaktion beteiligt, die meist nicht mit der typischen Rötung, Schwellung und Überwärmung einhergeht und verborgen bleibt.

Die Funktion des betroffenen Gewebes kann aber bereits bei schwächeren Reaktionen beeinträchtigt sein, etwa bei chronischen Entzündungen. Die Reaktion lässt sich dann oft nur histologisch unter dem Mikroskop, durch die Anwesenheit von Entzündungszellen im Gewebe, nachweisen. Dennoch kann auch in diesen Fällen die gesamte Versorgung des Follikels gestört sein (Nährstoff, Sauerstoff). Auch kann die Entzündung auf benachbarte Gewebestrukturen übergreifen und sich somit ausbreiten - wie ein "Tsunami".

Betrachten wir den Haarfollikel, kann es zunächst zu vorübergehenden Störungen kommen: Das Haar fällt aus, weil es nicht mehr ausreichend versorgt wird und die Haarbildung des Haarfollikels ist gestört.

Eine anhaltende Entzündungsreaktion behindert das Haarwachstum, stört den Wachstumszyklus und zerstört langfristig den Haarfollikel.

Typische Symptome durch die Entzündungsreaktion

Oft bleiben pellifollikuläre Entzündungen (in und um die Haarfollikel) verborgen und sind äußerlich nicht sichtbar.

  • Haarausfall oder gestörtes Haarwachstum (brüchiges Haar, unterschiedliche Haarlängen, Miniaturisierung der Haare)
  • Trichodynie - also eine Missempfindungen der Kopfhaut (Kribbeln auf der Kopfhaut)
  • Die Kopfhaut kann gerötet sein und jucken. Dabei kann sie entweder besonders trocken oder fettig sein - oder auch das Haar. Oft sind nur bestimmte Stellen betroffen, was einen Hinweis auf die zugrundeliegende Erkrankung geben kann.
  • Schuppen können fest haften oder locker aus dem Haar fallen. Die Schuppen selbst können groß oder eher fein sein.
  • Im Verlauf der Entzündungsreaktion entstehen manchmal auch Ekzeme, die verschiedene Hauterscheinungen nebeneinander zeigen.
  • Bei den Haaren fällt auf, dass sie ausdünnen, nicht mehr glänzen und sich schwieriger frisieren lassen. Sie können trocken und brüchig werden. Eine gestörte Follikelfunktion bedingt zunächst ein dünneres Haar, das schneller ausfällt als normale Kopfhaare, deren Wachstumsphase mehrere Jahre dauert.

Ein solches "miniaturisiertes" Haar erreicht in der Konsequenz nicht mehr die Länge eines normalen Haares und betroffene Follikel treten früher in die Ruhephase ein. Kommt es im Rahmen der Entzündung zu einer Narbenbildung, kann an dieser Stelle kein Haar mehr wachsen.

Welche Behandlungen sind sinnvoll?

Diagnose

Kommen wir zu der für Betroffene spannendsten Frage: Was kann man gegen Entzündungen der Kopfhaut, vor allem gegen die Entzündung der Haarfollikel und damit gegen drohenden Haarausfall tun? Tatsächlich sind wir dagegen nicht machtlos. An erster Stelle steht immer die richtige Diagnose.

Ansprechpartner können im ersten Schritt Hausärzte oder Dermatologen sein. Jedoch sind diese nicht voll auf Haarausfall spezialisiert, daher kann nicht immer eine optimale Beratung gewährleistet werden. Wir sind seit über 18 Jahren auf die Diagnose, Therapie und Behandlung von Haarausfall spezialisiert. Sollten Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nach einem ausführlichen Gespräch über Ihre Beschwerden werden die entsprechenden Untersuchungen eingeleitet. Die Ärzte bemühen sich, alle möglichen Faktoren zu erfassen, die an dem Befund von Kopfhaut und Haaren beteiligt sein können. Eine Diagnose, die alle Ursachen berücksichtigt, eröffnet die Möglichkeit einer erfolgreichen Behandlung der Entzündung beziehungsweise des resultierenden Haarverlustes.

Behandlung

Für manche Haarerkrankungen existieren Medikamente, die den Ursachen entgegenwirken, zum Beispiel bei erblichem Haarausfall. Liegt dagegen eine Autoimmunreaktion vor, gibt es Medikamente, die das übereifrige Immunsystem bremsen und die Entzündung modulieren.

Für jeden Menschen ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig. Das trägt nicht nur zur Gesunderhaltung von Haut und Haaren bei, sondern sorgt dafür, dass alle unsere Körperprozesse zufriedenstellend funktionieren.

Ist bereits eine Entzündung entstanden, gehören entzündungshemmende Wirkstoffe zu den Behandlungsmöglichkeiten. Sie können Bestandteil spezieller Shampoos und Lotionen sein oder in selteneren Fällen auch eingenommen werden. Konnte ein Krankheitserreger identifiziert worden, können antibiotische Zusätze sinnvoll sein. Um Resistenzen zu vermeiden, sollte die Entscheidung darüber sorgfältig durch den behandelnden Arzt abgewogen werden.

Eine Apherese (Blutwäsche) kann helfen, die Entzündung einzudämmen, indem entzündungsfördernde Faktoren entfernt werden. Dabei werden Entzündungsstoffe, Umweltgifte, körpereigene Toxine, fehlgeleitete Antikörper und andere Bestandteile aus dem Blut gefiltert. Dadurch wird der Körper im Kampf gegen die Entzündung unterstützt und letztlich auch die schädigende Wirkung auf das Haarwachstum reduziert.

Regenerative Therapien können zur Revitalisierung und Regeneration der Haarwurzeln eingesetzt werden.: Mit Wachstumsfaktoren, Nährstoffen und individuellen Zusatzstoffen. Hier kommen verschiedene Therapieansätze in Frage, z.B. die PRP-Therapie, die LLL-Therapie oder die Mesotherapie.

Entzündungen als Haarausfall-Ursache behandeln

Entzündungsreaktionen können Haarausfall auslösen. Wir identifizieren die Ursachen und beraten Sie zu wirksamen Therapien. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin!

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Reza P. Azar

Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie. Seit 2008 leitet er das „Zentrum für moderne Haartransplantation", in dem er als Haarchirurg und Experte für Haarausfalldiagnosen, -therapien und -behandlungen tätig ist. Im Laufe der Jahre konnten bereits tausende Patienten mit Haarausfall-Problemen erfolgreich behandeln werden.

Durch Forschungsarbeiten und ständige Weiterentwicklungen prägt er die Entwicklungen der modernen Haarchirurgie. Seine fachliche Meinung ist regelmäßig in TV, Presse und Radio gefragt, zudem ist er Autor verschiedener Fachbeiträge und Fachbücher.

Die Erfolgsraten bei Haarausfallbehandlungen liegen bei über 90%. Seine jüngste Errungenschaft ist die Entwicklung der "IG-Haartransplantation", transplantierten Haarfollikel gehen nach der Transplantation in direktes Wachstum über und fallen nicht zunächst aus, eine Revolution in der Haartransplantation.