Haarausfall bei Kindern:
Die häufigsten Ursachen & Behandlung

Dass alte Menschen Haare verlieren und kahl werden - okay. Tritt ein Haarausfall bei Kindern oder Jugendlichen auf, ist der Schreck oft groß. Dabei ist auch das nicht ungewöhnlich. Von einer der häufigsten Formen kindlichen Haarverlusts, der Alopezia areata, sind in Deutschland schätzungsweise 400.000 Kinder betroffen. Aber auch unausgewogene Ernährung, falsche Haarpflege oder psychische Probleme können zu Haarausfall führen.

Die meisten Ursachen für Haarausfall sind behandelbar oder heilen von selbst aus. Manchmal ist eine Haartransplantation aber auch für Kinder eine Option.

Häufige Formen von Haarausfall bei Kindern und Jugendlichen

Haare zu verlieren ist völlig normal. Erst wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausfallen, spricht man von krankhaftem Haarverlust. Dieser entsteht durch eine Störung im Haarzyklus, wie einer verkürzten Wachstumsphase oder einer Schädigung der Haarwurzel.

Die häufigsten Ursachen von Haarausfall bei Kindern sind:

Alopecia areata (Kreisrunder Haarausfall)

Von der Alopecia areata oder kreisrundem Haarausfall sind in Deutschland über 1,5 Millionen Menschen betroffen, darunter fast ein Drittel Kinder. Kreisrunder Haarausfall bei Kindern kommt bei etwa 1 von 1000 jungen Menschen vor. Es entstehen kreisförmige oder ovale komplett kahle Stellen am Kopf. Diese Areale können von der Mitte aus immer größer werden. Sie können einzelne Stellen der Kopfhaut betreffen - aber auch Wimpern, Augenbrauen oder Körperhaare können ausfallen.

Die Kopfhaut kann dabei kurz vor dem Haarausfall oder während dem Haarausfall jucken oder brennen. Eine Rötung der Kopfhaut liegt in der Regel nicht vor.

Die Alopecia areata oder der kreisrunde Haarausfall ist bei Kindern ein häufiger Grund für Haarverlust. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen. Bei etwa 30 bis 40 Prozent der Kinder heilt die Krankheit innerhalb eines halben Jahres spontan aus. Es treten aber häufig Rezidive auf.

Kinder mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Vitiligo sowie Patienten mit einem Down-Syndrom sind besonders häufig betroffen. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich der Körper fälschlicherweise gegen die körpereigenen Haarwurzeln zur Wehr setzt. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion an der Haarwurzel, die zu einem Haarverlust führt. Meistens entstehen mehrere kreisrunde kahle Areale, die von gesundem Haar umgeben sind. Man spricht in diesem Fall von einer Alopecia areata circumscripta. Autoimmunerkrankungen haben häufig (etwa 20%) eine erbliche Komponente, sodass neben den Kindern oft weitere Familienmitglieder von kreisrundem Haarausfall betroffen sind.

Häufige Auslöser für Alopecia areata ist Stress, in physischer oder psychischer Form. Diese kann ein traumatisches Erlebnis, eine gestörte Darmflora, falsche Ernährung oder bestimmte Medikamente sein. Im Extremfall kommt es zum Verlust der gesamten Kopfbehaarung. Man spricht dann von einer Alopecia totalis.

Artifizielle Alopezien (Selbst herbeigeführter Haarverlust)

Unter artifiziellen Alopezien versteht man einen selbst herbeigeführten Haarverlust. Es handelt sich dabei weniger um ein Problem der Haare selbst als um ein psychologisches Krankheitsbild. Das Bekannteste davon ist die Trichotillomanie. Dabei reißen sich die Kinder zwanghaft ihre eigenen Haare aus. Es entstehen unscharf begrenzte lichte Stellen. Bei der Trichotemnomanie schneiden die Kinder oder Jugendlichen selbst mit einer Schere einzelne Haarsträhnen ab. Dadurch entstehen einzelne Stellen mit kurzen Haaren.

Die artifiziellen Alopezien sind keine organische Störung, sondern ein psychologisches Krankheitsbild. Angst, Trauer, Anspannung oder Stress können dazu führen, dass die Kinder an ihren Haaren ziehen, sie ausreißen oder wie bei der Trichotemnomanie selbst mit einer Schere abschneiden.

Häufig behaupten die Betroffenen jedoch, sich den Haarverlust selbst nicht erklären zu können. Ein Psychologe oder Psychotherapeut kann helfen, die Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Beim Abschneiden der Haare oder nach einem einmaligen Ausreißen, wachsen die Haare in aller Regel wieder nach. Sollten die Haare allerdings wiederholt ausgerissen werden, kann die Haarwurzeln dauerhaft beschädigt werden und sich somit nicht mehr regenerieren.

Pilzerkrankungen

Zusätzlich kommen bei Kindern infektiöse Erkrankungen der Kopfhaut besonders häufig vor. Insbesondere Pilzerkrankungen wie die Tinea capitis oder Ringelflechte sind verbreitet. Dabei entstehen trockene, gerötete, schuppige Hautveränderungen, die wie eine Entzündung aussehen können. Es entwickeln sich runde kahle Stellen, an deren Rändern die Haare oft sehr kurz abbrechen.

Übertragen werden die Pilze vor allem durch engen Kontakt mit Tieren oder in der Landwirtschaft. Wichtig zu wissen ist, dass einige Pilzerkrankungen ansteckend sind. Bei engem Kontakt mit der betroffenen Region oder gemeinsam benutzten Handtüchern und Kämmen kann der Pilz übertragen werden. Auch Kleidung und Bettwäsche sollten gut gewaschen werden, damit sich das Kind nicht immer wieder infiziert.

Traktionsalopezie

Bei der Traktionsalopezie entsteht ein Haarverlust durch regelmäßige feste Frisuren, die an den Haaren ziehen. Sie kommt insbesondere bei Mädchen mit empfindlichem Haar vor, die täglich einen festen Pferdeschwanz oder geflochtene Zöpfe tragen.

Auch Dreadlocks, das Tragen von Haarextensions, Wimpernextensions oder zu fest sitzende Haargummis können die Ursache für den Haarverlust sein. Beim Tragen von Haarextensions führt dies zu einer großflächigen Ausdünnung der Haare an den betroffenen Arealen und in der Regel zu irreversiblen Haarverlust.

Auch das Tragen von Haarteilen, die beklebt bzw. geflochten werden, kann zu einer Traktionsalopezie führen.

Die lichten Stellen entstehen dabei vor allem an den Haarrändern, insbesondere an der Stirn und an den Schläfen. Vermieden werden kann das Problem durch lockere Frisuren oder wenn das Haar öfter mal offen getragen wird.

Genetische Haarschaftanomalien & genetischer Haarausfall

Als seltene Ursache von Haarausfall bei Kindern gibt es verschiedene Formen von genetischen Haarschaftanomalien.

Neben isolierten Haarbildungsstörungen gibt es dabei auch Anomalien, die mit verschiedenen Syndromen vergesellschaftet sind. Die Trichorrhexis nodosa ist beispielsweise eine erbliche Erkrankung, die mit einer Aufsplitterung des Haarschafts einhergeht. Die Kopfhaut ist dabei oft nur noch von kurzen Stoppeln bedeckt. Tritt diese Anomalie zusammen mit einer geistigen Retardierung auf, kann ein Syndrom namens Arginin-Bernsteinsäure-Krankheit ursächlich sein.

Sog. genetischer Haarausfall wird von den Eltern auf die Kinder vererbt, von der Mutter auf die Tochter und vom Vater auf den Sohn. Nicht selten tritt der genetische Haarausfall bereits in der Pubertät auf. Bei Mädchen kommt es zu einer Ausdünnung im Mittelscheitel-Bereich und bei Jungen zu einer leichten Ausdünnung am Oberkopf, mit Bildung von Geheimratsecken. In diesen Fällen sollte ein Haarspezialist konsultiert werden, um den erblich bedingten Haarausfall zu diagnostizieren. Dabei sollte unbedingt eine Blutdiagnostik und eine genaue Familienanamnese erfolgen.

Essstörungen und Mangelerscheinungen

Sehr häufig führen auch Nährstoff- oder Vitaminmangel zu einem Haarausfall. Die Ursache kann in einer Bulimie, Magersucht oder in einer einseitigen Ernährung liegen. Die Magersucht und Bulimie kommt sehr häufig in der Pubertät vor, daher sollte bei kindlichem Haarausfall auch an Essstörungen gedacht werden.  

Bei einer einseitigen oder unzureichenden Ernährung fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe. Insbesondere zu wenig Eisen oder Zink im Körper können das Haarwachstum beeinträchtigen und für Haarausfall bei Kindern sorgen.

Konsequenzen auf Psyche und Alltag

Dichte und gepflegte Haare werden oft als wichtiger Punkt für Gesundheit und Schönheit angesehen. Sie sind wichtig zum Wohlfühlen und sind oft ein wichtiges Merkmal des individuellen Aussehens. Ein Haarverlust kann für Kinder extrem schlimm sein. Sie fühlen sich nicht mehr hübsch und können an Selbstbewusstsein verlieren. Die Reaktionen des Umfelds können die Situation weiter verschlimmern. Viele Menschen halten ein Kind mit sichtbarem Haarverlust oder gar einer Glatze für krebskrank und sind entsprechend verunsichert. Manchmal werden die Kinder von Fremden sogar angestarrt oder es wird über sie getuschelt.

Auch Mobbing in der Schule ist keine Seltenheit bei Kindern, die unter Haarverlust leiden, da sie sich optisch von ihren Klassenkameraden unterscheiden. Kleinere Kinder können mit dem Haarverlust oft noch besser umgehen als Teenager in der Pubertät, die sich häufig sehr über die Bewertungen ihres Umfelds definieren.

Behandlung und Prävention von Haarausfall im Kindesalter

Sind Kinder oder Jugendliche von Haarausfall betroffen, ist es ratsam, zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Von Selbstversuchen sollte Abstand genommen werden, da vor der richtigen Behandlung die zugrunde liegende Ursache gefunden werden muss. Außerdem sind in der Regel die Heilungschancen besser, umso früher mit der korrekten Behandlung begonnen wird. Daher sollte so bald wie möglich ein Hausarzt, Dermatologe, Haarspezialist oder Kinderarzt aufgesucht werden.

Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist der Haarausfall meistens ein Schock, der durch die Reaktionen des Umfelds noch verschlimmert wird. Wichtig ist daher insbesondere, die Kinder auf dem Weg der Therapie seelisch zu begleiten und zu unterstützen. Sie sollten verstehen, dass ein Haarverlust kein Weltuntergang ist und dass sie sich trotzdem schön und wertvoll fühlen können.

Um die Haargesundheit zu stärken, sollte auf eine gesunde Ernährung geachtet werden. Während stark verarbeitete und zuckerhaltige Lebensmittel schlecht für das Haar sind, können frisches Obst und Gemüse, Beeren, Avocados und Nüsse für eine gesündere Haarpracht sorgen.

Die richtige Haarpflege ist essentiell, um Haarverlust zu vermeiden. Seien Sie vorsichtig beim Kämmen und Frisieren der Haare Ihres Kindes. Gelegentlich kann eine Kopfhautmassage mit einem hochwertigen Öl wie Traubenkernöl oder Jojobaöl, gemischt mit ätherischen Ölen wie Lavendel, Thymian oder Zedernholz, zur Entspannung und Stimulation des Haarwuchses beitragen.

Das verwendete Shampoo sollte möglichst mild sein und frei von Reizstoffen oder chemischen Zusätzen.

Liegt eine Pilzinfektion als Ursache des Haarausfalls vor, kommen Antimykotika zum Einsatz. Auch einige ätherische Öle, insbesondere Teebaumöl, können unterstützend wirken.

Bei speziellen Formen von Haarverlust, wie dem kreisrunden Haarausfall bei Kindern, ist die Spontanheilungsrate hoch. Ansonsten kommen meistens lokale Therapien infrage wie das Auftragen von cortisonhaltigen Cremes oder noch besser eine Injektion von Cortison. Auch topische Immunmodulatoren sind als Shampoo verfügbar. Deren Wirksamkeit gilt jedoch nicht als gesichert. Wir empfehlen die anti-inflammatorische PRP-Therapie, welche das Haarwachstum wieder anregt und den fortschreitenden Haarausfall effektiver als jede andere Therapie stoppen kann.

Ist eine Haartransplantation bei Kindern möglich?

In unserem Zentrum für Haartransplantation werden Haartransplantationen bei Kindern nur sehr selten durchgeführt. Denn unser Ansatz ist, durch schnelle Diagnostik und regenerative Behandlungen den Haarausfall vorzeitig zu stoppen und die adäquate Therapie einzuleiten. Liegt die Ursache für den Haarverlust in psychischen Erkrankungen und Zwangsverhalten, überweisen wir unsere Patienten an entsprechende Spezialisten.

Umfassende Untersuchung der Ursachen unerlässlich

In sehr wenigen Fällen kann auch bei Kindern oder Jugendlichen eine Haartransplantation sinnvoll sein. Bevor dies infrage kommt, ist jedoch zunächst eine umfassende Untersuchung nötig, um reversible Ursachen auszuschließen. Häufig ist der Haarausfall bei Kindern und Jugendlichen nur vorübergehend und das Haar regeneriert sich wieder.

Durch eine körperliche Untersuchung und eine Blutabnahme können bereits wichtige reversible und behandelbare Ursachen gefunden werden. Bevor eine Haartransplantation in Erwägung gezogen wird, sollten neben den oben beschriebenen Erkrankungen folgende Probleme ausgeschlossen werden:

  • Zinkmangel
  • Selenmangel
  • Unverträglichkeit der Antibabypille
  • Syndrom der polyzystischen Eierstöcke (polyzystisches Ovarialsyndrom)

Haartransplantation als letzte Chance

Sind reversible Ursachen ausgeschlossen und auch regenerative Therapien nicht wirksam, kommt auch bei Kindern eine Haartransplantation infrage

Wie können wir Ihnen helfen?

Sie interessieren sich für eine professionelle Diagnostik und Behandlung Ihres Haarausfalls? Oder Sie möchten ihre Wimpern, Augenbrauen oder Ihren Bart durch eine Haartransplantation wiederherstellen oder optisch verschönern lassen? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

Reza Azar, Ärztlicher Leiter

Zentrum für moderne Haartransplantation
Kurfürstendamm 218
10719 Berlin

Telefon: +49-30 206 474 18

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