Hamilton-Norwood Schema

Der androgenetische Haarausfall kommt bei Männern und Frauen in unterschiedlicher Weise zum Tragen. Betroffene Männer weisen in der Regel ein Haarausfallmuster auf, welches nach der sogenannten Hamilton-Norwood Skala eingestuft werden kann. Diese Skala wurde eingeführt, um den erblich bedingten Haarausfall in verschiedene Stadien einteilen zu können und einen Vergleich zu dem Haarverlust-Grad anderer AGA-Betroffener anstellen zu können. Sieben Haarausfallmuster (I-VII) sind dem Hamilton-Norwood-Schema zugeordnet.

Die schematische Verlaufsdokumentation von androgenetischem Haarausfall wurde 1951 von Hamilton entwickelt, im Jahre 1975 nahm Norwood einige Modifizierungen und Erweiterungen vor.

Haarausfall-Schema nach Hamilton Norwood

Einzelne Haarausfall-Muster oder Mischformen finden keine Berücksichtigung, jedoch veranschaulicht diese Skala auf verständliche Weise die möglichen Erscheinungsbilder des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern. Sie erlaubt eine standardisierte medizinische Dokumentation und ist mittlerweile für den klinischen Alltag moderner Haarchirurgie unverzichtbar.

Bis auf wenige Ausnahmen verläuft die androgenetische Alopezie bei Männern nach einem typischen Haarausfallmuster.

Dabei beginnt der Haarverlust in der Regel im Front-Bereich und macht sich durch Ausdünnung und Zurückweichen des Haaransatzes sowie durch Ausbildung sogenannter Geheimratsecken bemerkbar. Diese Erscheinungsbilder erhalten die Klassifizierungen „Norwood I-III“.

Weiterhin dehnt sich der Haarausfall auf die Vertexregion aus (Norwood IV) und bei Fortschreiten des Haarausfalls entwickelt sich eine Scheitelglatze (Norwood V-VII).

Die androgenetische Alopezie kann sich unter Umständen auf den gesamten Oberkopfbereich ausweiten, so dass vielen Betroffenen bei extremer Ausprägung lediglich der Haarkranz erhalten bleibt, dessen Haarfollikel gegen diese Art von Haarausfall resistent sind.

Klassifizierungen Haarausfall nach Hamilton-Norwood-Skala

Die Merkmale der einzelnen Klassifizierungen der Hamilton-Norwood-Schema:

Typ I

Kein Haarausfall am frontalen Haaransatz. Es bilden sich lediglich kleine Geheimratsecken.

Typ II

Der Haarausfall besteht frontal und temporal und führt zu leichten Ausdünnungen. Es kommt zur Ausbildung von Geheimratsecken, wobei der Scheitelpunkt etwa 2 cm anterior zu der gedachten Linie des äußeren Gehörganges in der Transversalebene liegt.

Typ III

Die Ausprägung der Geheimratsecken nimmt zu, die kahlen Bereiche oberhalb der Schläfen sind deutlich erkennbar.

Typ III A

Der vordere Haaransatz weicht zurück, in etwa bis zur Höhe des Scheitelpunktes der Geheimratsecken. Diese befinden sich mit dem Haaransatz nahezu auf einer Linie.

Typ III Vertex

Es zeigen sich ausgeprägte Geheimratsecken, zudem ist die Vertexregion von Haarausfall betroffen.

Typ IV

Dieses Stadium bezeichnet den Zustand von fortgeschrittenem Haarverlust im Scheitel- und Vertexbereich. Die beiden Regionen sind lediglich durch eine wenige Zentimeter schmale „Haarbrücke“ voneinander getrennt.

Typ IV A

Der Haarausfall setzt sich im gesamten Scheitelbereich fort. Die Vertexregion bleibt von Haarausfall verschont.

Typ V

Die verbliebene Haarbrücke zwischen dem Scheitel- und Vertexareal reduziert sich auf wenige Haare. Darüber hinaus reduziert sich der Haarkranz.

Typ VI

Die Ausprägung der haarlosen Kopfareale nimmt deutlich zu, es zeigt sich auch eine laterale Ausbreitung. Der Haarkranz reduziert sich zunehmend – dies sowohl am Hinterkopf, wie auch seitlich.

Typ VII

Das letzte Stadium des androgenetischen Haarausfalls wird mit dem Typ VII klassifiziert. Dem Betroffenen verbleibt lediglich der Haarkranz, wobei sich der posteriore Haarkranz bei extremem Haarverlust sogar bis auf lediglich 3-4 cm reduzieren kann.

Hintergründe zum erblich bedingten Haarausfall

Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Form des Haarverlusts. Die Ursache liegt in der genetisch bedingten Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), einem Abbauprodukt des Testosterons. Diese Sensitivität führt dazu, dass die Haarwurzeln mit der Zeit miniturisieren, das Haar dünner wird und schließlich verkümmert.

Über die Zeit entstehen dadurch typische Muster bei Männern, wie im Hamilton-Norwood Schema aufgeführt. Dieser Prozess beginnt bei vielen Männern bereits in ihren 20er Jahren.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Der erblich bedingte Haarausfall nimmt bei Frauen einen anderen Verlauf als bei Männern. Daher kommen hierbei andere Klassifizierungen, wie beispielsweise dem Ludwig-, Olsen-, Savin- und Sinclaire-Skala zur Anwendung.

  • Frauen sind häufig erst nach den Wechseljahren von erblich bedingtem Haarausfall betroffen, da Östrogene eine schützende Wirkung haben.
  • Der Haarausfall beginnt dann häufig im Bereich des Mittelscheitels und breitet sich seitlich aus. Außerdem ist das Muster der Ausdünnung meist diffus.
  • Geheimratsecken sind bei Frauen weniger typisch, können allerdings auch auftreten. Auch die Haarlinie kann zurückweichen.

Anders als bei Männern führt erblich bedingter Haarausfall bei Frauen eigentlich nicht zur Glatzenbildung (und wenn doch, dann meist aus anderen Gründen als erblich bedingter Haarausfall), sondern das Haar lichtet sich vor allem im Scheitelbereich.

Behandlungsmöglichkeiten

Welche Therapien geeignet sind, hängt vom Fortschritt des Haarausfalls und den individuellen Voraussetzungen ab.

Im ersten Schritt versuchen wir, die Haarwurzeln zu stärken und die Selbstheilungskräfte anzuregen. Sehr gute Erfahrungen erzielen wir mit einer Kombinationstherapie, die gezielt an den Ursachen des Haarverlusts ansetzt und die Regeneration der Haarwurzeln fördert. Sie beinhaltet diese regenerativen Therapieansätze:

  • Die PRP-Therapie (platelet-rich plasma) nutzt Wachstumsfaktoren aus dem Eigenblut, um die Zellregeneration zu stimulieren und das Haarwachstum zu aktivieren.
  • Die Low-Level-Lasertherapie arbeitet mit gezielter Lichtenergie im roten Wellenlängenbereich. Sie verbessert die Durchblutung der Kopfhaut und regt die Energieproduktion in den Zellen an.
  • Ergänzt wird dieses Spektrum durch die Mesotherapie. Hierbei gelangen individuell abgestimmte Wirkstoffe über mikrofeine Injektionen direkt in die mittlere Hautschicht.

In der Bildergalerie: Unsere Patienten vor und nach Beginn der Kombinationsbehandlung.

Je nach Schweregrad kann eine medikamentöse Begleittherapie notwendig werden. Wirkstoffe wie Minoxidil oder Finasterid greifen in unterschiedliche Mechanismen ein: Minoxidil fördert die Durchblutung und damit das Nährstoffangebot der Haarfollikel, während Finasterid die DHT-Bildung hemmt. Die Wahl der Mittel sowie deren Kombination wird patientenspezifisch getroffen und ärztlich begleitet.

Sind die betroffenen Areale bereits deutlich ausgedünnt oder vollständig kahl, bleibt die Haartransplantation als mögliche Lösung. Allerdings sollte dieser Schritt erst dann erfolgen, wenn der Haarausfall medikamentös oder regenerativ stabilisiert wurde. Nur so lässt sich ein nachhaltiges Ergebnis erzielen.

Unabhängig vom Stadium sind Lebensstilfaktoren nicht zu unterschätzen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine gesunde Kopfhautpflege können das Haarwachstum unterstützen. Zwar ersetzen sie keine medizinische Behandlung, doch sie schaffen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie.

FAQ

Was sagt die Hamilton-Norwood-Skala aus?

Sie beschreibt die typischen Muster und den Verlauf des männlichen Haarausfalls in sieben Stadien. Beginnend mit leichtem Haarverlust bis hin zur weitgehenden Kahlheit.

Bin ich betroffen?

Ob Sie selbst von erblich bedingtem Haarausfall betroffen sind, lässt sich an verschiedenen Anzeichen erkennen. Besonders typisch ist ein zurückweichender Haaransatz, meist an den Schläfen beginnend. Auch ein zunehmend lichter werdendes Haar am Oberkopf oder Scheitelbereich kann ein frühes Warnsignal sein.

Wenn sich beim Kämmen, Waschen oder auf dem Kopfkissen vermehrt Haare finden, lohnt sich ein genauer Blick. Wird die Kopfhaut durch das Haar sichtbar, obwohl die Länge unverändert bleibt, spricht dies für ein Ausdünnen der Substanz. Dies kann auch andere Ursachen haben als eine erbliche Veranlagung.

Ein weiterer wichtiger Hinweis liegt in der Familiengeschichte. Hatten Ihre Vorfahren bereits mit Haarverlust zu kämpfen? Dann ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch bei Ihnen eine genetische Veranlagung vorliegt.

Bis zu welcher Stufe ist der Haarausfall behandelbar?

Die Behandlung kann in jedem Stadium begonnen werden. Der Erfolg ist jedoch umso größer, je früher damit begonnen wird. Die frühen Stadien sprechen besonders gut auf regenerative Therapien an. Außerdem können die verbliebenen Haarwurzeln durch die Therapien widerstandsfähiger und damit weniger anfällig gemacht werden.

Wie genau funktioniert die Hamilton-Norwood-Skala?

Die Skala teilt den erblich bedingten Haarverlust bei Männern in sieben Haupttypen ein. Sie unterscheidet dabei, ob vor allem der Haaransatz betroffen ist oder auch der Oberkopf (Vertex). Ergänzt wird sie durch Zwischenformen. Sie wird im medizinischen Kontext genutzt, ist aber nicht unbedingt für den privaten Gebrauch bestimmt.

Kann ich mein Stadium selbst bestimmen?

Eine grobe Zuordnung zu den bildlichen Darstellungen ist möglich. Eine genaue Zuordnung, insbesondere zur Abgrenzung von anderen Ursachen, sollte jedoch durch Experten erfolgen. Eine Fehlinterpretation würde dazu führen, dass an der falschen Ursache angesetzt wird und die getroffenen Maßnahmen erfolglos bleiben.

Gibt es eine Skala für Frauen?

Ja. Der weibliche Haarausfall wird häufig anhand des Ludwig-Schemas klassifiziert. Es beschreibt die diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich, ohne Ausbildung von Geheimratsecken.

Wie schnell schreitet der Haarausfall voran?

Der Verlauf ist individuell. Manche Männer bleiben jahrelang in einem frühen Stadium, andere erleben innerhalb weniger Jahre eine drastische Verschlechterung. Bei fast der Hälfte der Männer mit erblich bedingtem Haarausfall entwickelt sich im Laufe der Zeit eine Halbglatze.

Ist eine Rückbildung des Haarverlusts möglich?

Wird nichts unternommen, schreitet die Krankheit weiter fort und die betroffenen Haarwurzeln miniaturisieren und verkümmern. Sie sind dann nur noch schwer zu retten.

Durch geeignete Maßnahmen können die verbliebenen Haarwurzeln erhalten und teilweise reaktiviert werden - schnelles Handeln ist also wichtig. Kahle Stellen können durch eine Haartransplantation wiederhergestellt werden - dabei werden jedoch nur Haare versetzt.

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Reza P. Azar

Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie. Seit 2008 leitet er das „Zentrum für moderne Haartransplantation", in dem er als Haarchirurg und Experte für Haarausfalldiagnosen, -therapien und -behandlungen tätig ist. Im Laufe der Jahre konnten bereits tausende Patienten mit Haarausfall-Problemen erfolgreich behandeln werden.

Durch Forschungsarbeiten und ständige Weiterentwicklungen prägt er die Entwicklungen der modernen Haarchirurgie. Seine fachliche Meinung ist regelmäßig in TV, Presse und Radio gefragt, zudem ist er Autor verschiedener Fachbeiträge und Fachbücher.

Die Erfolgsraten bei Haarausfallbehandlungen liegen bei über 90%. Seine jüngste Errungenschaft ist die Entwicklung der "IG-Haartransplantation", transplantierten Haarfollikel gehen nach der Transplantation in direktes Wachstum über und fallen nicht zunächst aus, eine Revolution in der Haartransplantation.