Haarzyklus einfach erklärt: Anagenphase, Katagenphase, Telogenphase

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Unser Haarwachstum wird durch verschiedene Hormone so gesteuert, dass immer ein gleichmäßiger Haarbestand erhalten bleibt. Stress, fehlende Nährstoffe oder Hormonstörungen können aber dafür sorgen, dass dieser Haarzyklus durcheinander gerät und in einem vermehrten Haarausfall mündet.

In diesem Beitrag stellen wir die einzelnen Phasen des Haarzyklus vor und gehen auf Störungen und deren Auswirkungen ein.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Haarwachstum verläuft in mehreren Phasen, die man als Haarzyklus zusammenfasst.
  • Jedes Haar durchläuft eine Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase, wodurch es bis zu einer gewissen Länge wächst und dann ausfällt.
  • Die Dauer der einzelnen Zyklusphasen und damit auch die erreichbare Haarlänge sind genetisch festgelegt.
  • Durch Stress, Nährstoffmangel, schlechte Durchblutung oder Hormonstörungen kann der Haarzyklus gestört werden - Folge sind Haarausfall oder dünne, brüchige Haare.

Haarzyklus: Die drei Phasen im Überblick

Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen:

  1. Anagenphase (Wachstumsphase)
  2. Katagenphase (Übergangsphase)
  3. Telogenphase (Ruhephase)

In der zwei bis sechs Jahre dauernden Wachstumsphase werden die Haare länger und dicker. In der Übergangsphase schrumpft die Haarwurzel und die Zellteilung kommt zum Erliegen. Sie dauert etwa zwei Wochen. In der Ruhephase verkümmert das Haar und fällt aus, sie dauert etwa drei Monate lang.

Der Zyklus der einzelnen Haare verläuft nicht synchron, sodass zu jeder Zeit Haare in unterschiedlichen Zyklusphasen vorhanden sind. Dadurch bleibt der Haarbestand immer gleichmäßig. Wie lange genau die einzelnen Phasen dauern und wie oft ein Haarfollikel einen Haarzyklus durchlaufen kann (normalerweise etwa 10 bis 30 Mal), ist genetisch bedingt und dadurch individuell unterschiedlich. Der Haarzyklus gilt nicht nur für Kopfhaare, sondern verläuft bei allen anderen Körperhaaren auf die gleiche Weise.

Anagenphase (Wachstumsphase)

Die Anagenphase ist die am längsten dauernde Phase im Haarzyklus. Sie dauert etwa zwei bis sechs Jahre. Der genaue Zeitraum ist bei jedem Menschen individuell und bestimmt, wie lang die Haare insgesamt werden können. In dieser Zeit wachsen die Haare 0,3 bis 0,5 Millimeter pro Tag und damit ungefähr 15 Zentimeter pro Jahr. Auf dem Kopf eines Menschen befinden sich zwischen 90.000 und 150.000 Haare. Ungefähr 85 Prozent davon befinden sich in der Anagenphase.

Während der Wachstumsphase der Haare ist die Zellteilung in der Haarwurzel sehr aktiv. Es werden laufend neue Zellen der Haarsubstanz gebildet, die dann aushärten und sich von unten an das Haar kleben. Dadurch schieben sie das wachsende Haar nach oben Richtung Kopfhaut. Der Haarzyklus wird durch verschiedene Wachstumshormone gesteuert und kann auch durch andere Hormone, zum Beispiel Geschlechtshormone, beeinflusst werden.

Während der sichtbare Teil des Haars Haarschaft genannt wird, befinden sich die für das Wachstum wichtigen Bestandteile unter der Haut, von der Lederhaut (Dermis) bis in die Unterhaut (Subcutis) reichend. Der Haarschaft mündet in die Haarwurzel, die vom Haarfollikel umgeben ist. Am unteren Ende ist das Haar knotig verdickt - dieser Teil wird Haarzwiebel genannt. Von unten reicht die Haarpapille in die Haarzwiebel hinein. In der Haarpapille befinden sich Blutgefäße, über die das Haar mit Nährstoffen versorgt wird. In dieser Region sitzen auch die Keratinozyten, also die Zellen, die neue Haarsubstanz produzieren. Die Melanozyten, die den Farbstoff der Haare herstellen, geben diesen hier in die Haarzwiebel ab. Damit das Haar gut wachsen kann, benötigt es in der Wachstumsphase viele Vitamine und Spurenelemente, Mineralien und Makronährstoffe wie Proteine und Fette. Zu den wichtigsten Stoffen gehören zum Beispiel Eisen, Biotin, Zink und Selen.

Katagenphase (Übergangsphase)

In der Übergangsphase wird das Haar umgebaut. Das dauert etwa zwei Wochen. In dieser Phase des Haarzyklus befinden sich etwa ein Prozent der Haare. Die Haarwurzel wird nun nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und stellt deshalb die Zellteilung und das Haarwachstum ein. Sie schrumpft und verhornt schließlich. Das Haar wird von der Haarpapille abgestoßen. Es bleibt aber zunächst noch in den oberen Hautschichten stecken und fällt noch nicht aus.

Telogenphase (Ruhephase)

In der Telogenphase befinden sich etwa 14 Prozent aller Haare auf dem Kopf, sie dauert rund drei Monate an. Das Haar ist nun nicht mehr fest in der Kopfhaut verankert und fällt innerhalb dieser drei Monate aus, zum Beispiel beim Kämmen oder Waschen. Das Haarwachstum kommt in dieser Zeit vollständig zum erliegen. Die Haarzwiebel regeneriert sich und bereitet sich darauf vor, wieder ein neues Haar bilden zu können. Durch die Telogenphase fallen jeden Tag bis zu 100 Kopfhaare aus. Erst wenn deutlich mehr Haare verloren gehen, spricht man von einem übermäßigen Haarausfall.

Störungen im Haarzyklus

Eine Störung im Haarzyklus kann zu übermäßigem Haarausfall führen. Dazu kommt es zum Beispiel, wenn die Wachstumsphase verkürzt wird oder sich vermehrt Haare in der Ruhephase befinden.

Was kann den Haarzyklus stören?

Die Haarwurzeln können nur dann ein neues Haar produzieren und wachsen lassen, wenn dazu ausreichend Nährstoffe zu Verfügung stehen. Manche Menschen haben eine unzureichende Nährstoffzufuhr durch chronische Erkrankungen oder mangelnde Aufnahme über die Ernährung. Gefährdete Personen sind zum Beispiel Patienten mit chronischen Magen- oder Darmkrankheiten, Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie Sportler oder Schwangere oder Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten oder -störungen wie Vegetarier, Veganer und Patienten mit Magersucht oder Bulimie. Ein Nährstoffmangel kann vom Arzt durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden und mit entsprechender Ernährungsumstellung oder Substitution durch Nahrungsergänzungsmittel behoben werden.

Damit die Nährstoffe auch bis zum Haar gelangen können, ist eine gute Durchblutung der Kopfhaut wichtig. Sie kann zum Besipiel durch Kopfhautmassagen verbessert werden.
Auch Stress kann den Haarzyklus stören und für vermehrten Haarausfall sorgen. Dafür verantwortlich sind vermutlich Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol.

So erkennen Sie Probleme im Haarzyklus

Wer Probleme im Haarzyklus hat, stellt meistens einen übermäßigen Haarverlust oder eine schlechtere Qualität der Haare fest. Es gehen statt den üblichen 60 bis 100 Haaren pro Tag über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Haare verloren. Damit kommt es zu einer Ausdünnung der Frisur oder lichten Stellen im Haar. Auch wenn die Haare stumpf und brüchig werden, die Haardichte abnimmt oder die Haare nicht mehr so lang wachsen wie normalerweise, kann das auf ein Problem hindeuten.

Um den Haarverlust medizinisch zu objektivieren, kann ein spezialisierter Arzt, zum Beispiel ein Hautarzt, ein sogenanntes Trichogramm durchführen. Dabei werden die Haarwurzeln unter dem Mikroskop untersucht. Man kann erkennen, wie viele Haare sich in welcher Phase des Haarzyklus befinden und ob sich diesbezüglich Auffälligkeiten ergeben.

Was benötigen Haarfollikel, damit der Haarzyklus optimal abläuft?

Das Wichtigste für ein optimales Haarwachstum sind eine ausreichende Nährstoffversorgung des Körpers, um die Grundsubstanz der Haare zu bilden und eine ausreichende Durchblutung der Kopfhaut, um die Nährstoffe auch bis zu den Haarwurzeln zu transportieren.

Die für das Haarwachstum benötigten Nährstoffe sind zum Beispiel Vitamine wie Vitamin A, C, D, E und verschiedene B-Vitamine, Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Selen und Kupfer und Mineralien wie Calcium und Magnesium. Da die Haare zu über 90 Prozent aus der Eiweißverbindung Keratin bestehen, ist auch eine ausreichende Versorgung mit Proteinen wichtig, die sich vor allem aus Fisch, magerem Fleisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten aufnehmen lassen. Eine ausreichende Versorgung mit hochwertigen Fetten, vor allem Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, ist wichtig, um die Talgdrüsen zu versorgen und die Haare glänzend und geschmeidig zu machen.

Auch verschiedene Hormone haben Einfluss auf den Haarzyklus. Dazu gehören die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone. Insbesondere das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT), eine biologisch hoch aktive Form von Testosteron, sorgt besonders häufig für einen gestörten Haarzyklus. Die genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem DHT gilt als der Hauptgrund für erblich bedingten Haarausfall (androgenetische Alopezie).

Die weiblichen Östrogene beeinflussen den Haarzyklus und damit das Haarwachstum positiv. Dadurch können sich jedoch Schwankungen des Östrogenspiegels ebenfalls auswirken, zum Beispiel im Rahmen der Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit oder der Menopause. Auch andere Hormonstörungen wie zum Beispiel eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse können Haarausfall begünstigen, jedoch durch eine medikamentöse Einstellung meist gut behandelt werden.

Vermeiden sollte man alles, was die Haare schädigen kann. Dazu gehören zum Beispiel aggressive Shampoos oder Spülungen, häufiges Haarefärben, Dauerwelle, Lockenstab und Glätteisen. Wer Haare färbt, sollte dies von einem Profi durchführen lassen, damit möglichst wenig Farbe auf die Kopfhaut gelangt und diese schädigt. Auch häufiges Tragen von engen und straffen Frisuren kann Haarausfall begünstigen.

Nikotinkonsum schädigt die Haare, weil es die Durchblutung der Kopfhaut und die Sauerstoffversorgung verschlechtert und für eine schlechtere Nährstoffversorgung der Haarwurzeln sorgt.

Die verschiedenen Phasen des Haarzyklus werden durch Hormone gesteuert. Das Wachstumshormon IGF-1 (Insulin like Growth Factor 1) zum Beispiel verlängert die Wachstumsphase der Haare und aktiviert die Zellteilung in der Haarwurzel. Durch das Hormon TGF-beta2 (Transforming Growth Factor Beta 2) wird die Zellteilung an den Haarwurzeln gehemmt - dieser Hormonspiegel kann durch DHT nochmals erhöht werden. Zu den weiteren Hormonen, die den Haarzyklus beeinflussen, gehören FGF-5 (Fibroblast Growth Factor 5), KGF (Keratinocyte Growth Factor) und EGF (Epidermal Growth Factor).

Wie kann ein gestörter Haarzyklus wieder "repariert" werden?

Um den Haarwurzeln ihre optimale Arbeit zu ermöglichen, sollte die Versorgung und Pflege der Haare gesichert sein. Dazu gehören eine ausreichende Nährstoffversorgung der Haare sowie der Verzicht auf schädigende Einflüsse wie Rauchen, Färben oder starken Stress. Die verwendeten Haarpflegemittel sollten frei sein von Silikonen, Parabenen und künstlichen Duftstoffen. Auch zu starke mechanische Belastung der Haare wie durch Frisuren oder enge Kopfbedeckungen sollte vermieden werden.

Um übermäßigen Haarverlust zu beheben, ist es essenziell, die Ursache zu finden. Nur dann kann eine passende Therapie eingeleitet werden und unnötige, zeitraubende blinde Therapieversuche vermieden werden. Es ist deshalb wichtig, einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufzusuchen - je früher, desto besser, denn je länger der Haarzyklus gestört ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haarwurzeln irreversibel geschädigt werden.

Ist die Ursache des Haarausfalls gefunden, können die Haarwurzeln durch eine entsprechende Behandlung wieder aktiviert werden. Dazu kann zum Beispiel eine Infusionstherapie infrage kommen, bei der gezielt die fehlenden Nährstoffe in die Blutbahn gegeben werden. Auch bioregenerative Therapien sind begleitend möglich, beispielsweise eine PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma oder Plättchenreiches Plasma). Hierbei handelt es sich um eine Eigenbluttherapie, bei der das entnommene Blut des Patienten so aufbereitet wird, dass ein Extrakt aus Nährstoffen, Zytokinen und Wachstumsfaktoren entsteht, der direkt in die Kopfhaut injiziert werden kann.

Die möglichen Therapieoptionen sind bei jedem Patienten individuell und können durch ein persönliches Beratungsgespräch ermittelt und geklärt werden. Im Zentrum für moderne Haartransplantation können Sie dazu gerne einen Termin vereinbaren - online, telefonisch oder per E-Mail.

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Reza P. Azar

Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie. Seit 2008 leitet er das „Zentrum für moderne Haartransplantation", in dem er als Haarchirurg und Experte für Haarausfalldiagnosen, -therapien und -behandlungen tätig ist. Im Laufe der Jahre konnten bereits tausende Patienten mit Haarausfall-Problemen erfolgreich behandeln werden.

Durch Forschungsarbeiten und ständige Weiterentwicklungen prägt er die Entwicklungen der modernen Haarchirurgie. Seine fachliche Meinung ist regelmäßig in TV, Presse und Radio gefragt, zudem ist er Autor verschiedener Fachbeiträge und Fachbücher.

Die Erfolgsraten bei Haarausfallbehandlungen liegen bei über 90%. Seine jüngste Errungenschaft ist die Entwicklung der "IG-Haartransplantation", transplantierten Haarfollikel gehen nach der Transplantation in direktes Wachstum über und fallen nicht zunächst aus, eine Revolution in der Haartransplantation.